Archiv der Kategorie 'Konzert'

Wochenend – Rückblick 18/19 – 2017

Grandiose Performance vor neuer Lichtinstallation im Frankfurter Kunstverein: BBB_
Grandiose Performance vor neuer Lichtinstallation im Frankfurter Kunstverein: BBB_ „I‘d rather be an iphone!“

Samstags bin ich schon rüh aus dem Bett gefallen, also kurz vor 12, und begab mich zum Konstimarkt, wo ich mir erstmal ein Tellerchen Bratkartoffeln mit Grillgemüse reingeworfen hatte. Mir war nach Idiotengucken und so wanderte ich noch ein wenig durch die Innenstadt. Am Liebfrauenberg wurde Buddhas Geburtstag gefeiert, immerhin der 2561ste, also gab es hier nochmal ein paar Reisklößchen mit Gemüsefüllung und Sojasauce. Ich bin ja auch so sojasaucensüchtig, kommt gleich nach naturtrüben Apfelwein. Auf dem Rückweg gab es noch Gemüsesushi in der Fahrgasse, und weil vor dem Yuan Fa Asia Supermarkt gegenüber eine Noodle-Promoaktion stattfand, gönnte ich mir dort noch einen schönen Natriumglutamat – Flash.

Später begab ich mich zu Radio X, um die bei jung und alt beliebte Ausgehsendung „x wie raus“ zu moderieren, war ja auch schliesslich ganz schön was los. Nach einem kurzen Plausch mit DJ Kabuki, der am Abend im Silbergold aufspielte, ging es dann erstmal Richtung Gudes – Kiosk ins Nordend, um den ersten Open Air Apfelwein des Abends einzunehmen. Derart bestärkt, es mit den Menschen in der Stadt aufzunehmen, begaben wir uns zum Römer. Wir erinnern uns, immer, wenn in „Heidi“ von der bösen Großmutter aus Frankfurt die Rede gewesen ist, wurde eine stilisierte Zeichnung vom Römer eingeblendet. Aber nicht das Rathaus war unser Ziel, sondern das Zeltchen vom Journal Frankfurt, wo wir unsere Presseausweise einzogen und gleich noch ein paar liebe Kollegen kennenlernen durften.

Danach ging es auch gleich rüber in den Frankfurter Kunstverein, denn das Künstlerduo „bbb_“ war dort mit seiner Performance „I‘d rather be an iphone.“ im Rahmen der Frankfurter Nacht der Museen zu zu Gast, wobei eine Nacht der Musen würde mir sicherlich auch gut gefallen. „Der Titel ihrer Performance entstammt dem Satz „I’d rather be an iphone than a woman“ der britischen Theoretikerin und Feministin Helen Hester.“ weiß auch die Webseite des Frankfurter Kunstvereins zu berichten. „Hinter dem Künstlerduo BBB_ stehen Alla Poppersoni und Alexander Sahm,“ … „während Poppersoni mit ihrer eigenen und ihrer synthetisierten Computerstimme konzeptionelle Lyrics spricht, werden diese von Sahm mit elektronischen Sound-Ready-Mades unterlegt.“ Die Beiden hatten mich bereits im Orange Peel nachhaltig beeindruckt, und so war es für mich vollkommen klar, dass ich die Performance im Kunstverein unbedingt sehen musste. Auch hier war die Bühnenpräsenz beeindrucktend, denn Alla Poppersoni agierte mit einem Blick, der Galaxien vernichten und wieder auferstehen lässt, gepaart mit einer roboterhaften Kälte, die hier und da durch ein kurzes Lächeln aufgebrochen wird, während sie mit einer Stimme spricht, an der auch Anne Clark sicherlich ihre Freude hätte.

Na, da war der kulturelle Teil des Abends nun auch hochqulitativ abgedeckt, und so überquerten wir den Main mittels Blechbrücke in Richtung Sachsenhausen. Immer wieder ärgere ich mich, dass ich keinen Bolzenschneider dabei habe. Irgendwann knipse ich diese bekloppten Schlösser ab. Die Menschen haben doch auch in Ihren Wegwerfprovinzen die Möglichkeit, Ihre Partnerschaft kundzutun, aber da trauen sie sich nicht, ist wie Karaokesingen auf Malle.

Nun, zurück auf der richtigen Seite begaben wir uns in die Galerie wk16 in der Walter Kolb Strasse 16 (Huch, deshalb wk16, aha, ok, hm hm!) wo zur Finnissage von Vanja Vukovic Onkel Heinz und Tante Elena musikalische Schachtfetzen zum Besten gaben. Da hatte der Felberich auch wieder ein ganz feines Hemdchen angehabt, Blumen auf kleinen Karos, sehr schön! Und so bleiben wir ein Weilchen, redeten Unfug und rauchten mit gutem Gewissen, während wir die großformatigen Fotographien von VV betrachteten, Momentaufnahmen im Augenblick des Bestands, und ein wenig über unsere Pläne sprachen, während des Late Night Shoppings in Sachsenhausen in einem Laden aufzulegen, in dem vorher noch niemand aufgelegt hatte. Irgendwas muss ja schliesslich gemacht werden!

Und da wir gerade beim Auflegen waren, zogen wir rüber zu Niko in den Dreikönigskeller, wo HCI Krauskopf und Mr. Hank-e-Meier „The rough splits hidden hits – unrecognised classics from Post-Punk and beyond“ präsentierten. Während der eine whiskykennerisch promovierte, so ist der andere ein bekannter Musikant der Alan Baker Band, und da verwunderte es nicht, dass musikalisch ein grandioses Programm geboten wurde. Eine Auswahl, wie sie so und nicht anders ganz genau in den Dreikönigskeller gepasst hatte, was auch von den anderen Gästen dankbar betanzt wurde. Ich tanze ja nicht so gerne, ich übernehme lieber den Barpart und überlasse den anderen den Dancefloor. Das war ein toller Abend, nicht nur im Dreikönigskeller, sondern in epischer Breite. So und so! Und deshalb zog es mich auch irgendwann in den Elfenbeinturm, wo ich alsbald den Niederwald abholzte.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 14/15 – 2017

Zu Recht Gewinner des Electronic Beat Battle 2017 im Orange Peel: BBB_
Zu Recht Gewinner des Electronic Beat Battle 2017 im Orange Peel: BBB_ [Foto: Siegfried Kärcher]

Hin- und hergerissen zwischen blauen Himmel und grauer Wolkendecke kann man sich trotzdem die Tage, bis der Sommer so richtig zuschlägt und vollmundig von irgendwelchen Hitzewellen gesprochen wird, entsprechend ansprechend gestalten.

Dank dem Mann mit dem Bären hatte ich am Mittwoch spontan die Möglichkeit ergriffen, zur Musikmesse zu pilgern, eine reisetechnisch anspruchslose Angelegenheit, Frankfurt ist ja nach wie vor die Stadt der kurzen Wege.

An der Messe angekommen, musste ich feststellen, dass wohl einige Hersteller an den Musikmesse – Tagen wohl etwas anderes vorgehabt haben und deshalb gar nicht erst in Frankfurt Ihren Tapeziertisch aufgeklappt hatten. Jedoch, der Vorteil daran ist natürlich, dass man eine bessere Übersicht hat, gerade auch, weil der MusikmessenMittwoch der entspanntere Tag ist. So hatte ich Gelegenheit, den Matrixbrute von Aturia ausführlich unter die Gehörlupe zu nehmen, ein analoger Synthesizer mit eingebauten Sequenzer und analoger Effektsektion. Nun gibt es ja immer die altvorderen Kompetenzsimulanten, die alles schlechtreden, was sie selbst nicht ihr eigen nennen oder worüber sie keine Kenntnis besitzen. Kennt man ja vom alten Kafka und seinen lustigen Papabriefen. In meiner Welt ist der Matrixbrute ein schöner Klangerzeuger, auch wenn die Ausgabe von rund 2000 € gut überlegt sein will. Weiter ging es dann zu Korg, ein bißchen Entwicklerplausch und zu Virus-Musikradio, ein Kulturverein (Virus Musik e.V.) und gleichzeitig eine Musikredaktion, die eigentlich bei Radio X sendet, aber eben während der Musikmesse in einem eigens dafür eingerichteten Studio live von der Musikmesse berichtet, was sich logischerweise ja auch anbietet.

Am Donnerstag war ich bei Dreharbeiten zugange und dann ging es auch flugs in Orange Peel, denn Jürgen Klumpe hatte zum alljährlich im Fahrwasser der Musikmesse stattfindenden Electric Beatbattle aufgerufen, einem Wettbewerb für elektronische Live-Musik. Zitat aus dem Regelwerk: „12 Musiker haben jeweils 10 Minuten Zeit um ihre Musik live auf der Bühne zu präsentieren. Als kleine Einschränkung darf jeder Teilnehmer nur ein Gerät (Groovebox/Syth/Laptop plus Controller) einsetzen. Das Publikum wählt in den Vorrunden die besten drei Musiker des Abends. Diese treten im Finale noch ein Mal gegeneinander an, um den Sieger zu ermitteln.
Stilistisch gibt es keine Vorgaben.“
Mit dabei waren BBB_, AA Battery, Carlos Fernandes, Dan Bay, Guba, Ptrk 9000, Siegfried Kärcher, Arkaei und Worsel Strauss. Die Bandbreite reichte hier von Ambient über Live-Electro-Drumming bis hin zu Chiptune – House, Drum ‚n‘ Bass und Breakbeat. Ich hatte eine KORG ES1 mit ein paar Breakbeat – Samples gefüttert und staunte nicht schlecht, als ich mit Carlos Fernandez und BBB_ im Finale stand. Aber bei den Elektronikern geht es nicht ums gewinnen, sondern um Spaß und natürlich will jeder schauen, was der andere so dabei hat. Gepunktet hatte also an diesem Abend ganz klar BBB_ , die mit einer elektronischen Performance angetreten waren, die mich ein wenig an Anne Clark erinnerte, wobei sich die Texte auf Rosi Brai­dotti bezogen, eine zeitgenössische Philosophin und Theoretikerin des Feminismus, dargeboten mit toller Bühnenpräsenz der Künstlerin und untermalt von einem tanzbaren, teils aber auch sehr effektvollen Soundteppich. Klar, die Combo hatte uns allen viel Spaß gemacht, und, ich hatte es schon einmal erwähnt, genau darum geht es: Um Spaß! Hinterher wurde noch ein bißchen gejammt, noch ein paar Kaltgetränke wollten gezischt werden, bis sich dann auch der Neuntausender zurück über den Main in den Elfenbeinturm begab.

So kann man auch unter der Woche in Frankfurt Tolles erleben, und oftmals ist es wesentlich interessanter, selbst etwas mitzugestalten. Das könnt Ihr auch, oder? So eine Groovebox kostet gebraucht kaum noch was, oder auch die kleine Serie von Korg, da gibt es ja unendliche Möglichkeiten. und ausserdem: Menschen ohne Hobby sind suspekt, denn was machen die denn sonst so? Darüber einmal kurz nachdenken, ja, das kann sich schon lohnen.

Eigentlich sollte das der Beitrag für dieses Wochenende gewesen sein, dennoch komme ich nicht drumherum, nochmal von einem grandiosen Abend im Horst zu berichten, nämlich dem „DAN BAY & PENG Music-Art-Festival“ am Freitag, zu dem der Frankfurter Musiker und Musikproduzent Dan Bay und der Frankfurter Streetart – Künstler Herr Peng unter anderem den smarten Schimanski zum Auflegen angeheuert haben, aber auch die fabulöse Combo „Les Etoiles de Botan“, die unter dem Label Weltmusik firmiert und einen ultragroovigen Soundteppich geflochten hatten, auch der Techno-Liveact von Dan Bay und Carlos Fernandez (In Frankfurt läuft man sich zwangsläufig immer wieder über den Weg, ne!) hatte mir sehr viel Spaß gemacht! Das sahen wohl all‘ die anderen auch so, denn man tanzte ausgelassen im bis unter die Decke gefüllten Horst, great fun indeed. Mit von der Partie waren noch Kenzo Loops, Casey Keth sowie die Maya, aber auch im Hof gab es mit Firespace nach Einbruch der Dunkelheit Feuerjonglage zu bewundern. Aber leider hatte ich diese Künstler verpasst, will sie aber auch nicht namentlich aussen vor lassen, nur weil ich Verpeilo zu spät eingetroffen bin, das wäre ja auch unfair, gä!

Am Montagabend sehn wir uns zur Livemusik Jam Session im 3kk?

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 7/8 – 2017

Commander Fakir an der Konsole im Lotte Lindenberg - Studio
„Auf den Schirm!“ Commander Fakir an der Konsole im Lotte Lindenberg – Studio.

So, da isser wieder. Letzte Woche war ich bis auf ein paar Ausnahmen fast in identischen Schleifen unterwegs, damit will ja auch niemand kujuniert werden.

Erwähnenswert wäre ja auf jeden Fall der Kunstmarkt im Zoo – Gesellschafthaus vom vorletzten Wochenende, welcher vom Jugendradiosender youfm irgendwie mitveranstaltet wurde und auf den Namen „Marchè de Nuit“ hörte, also Nüsse im März oder so ähnlich. Irgendwie war es merkwürdig, dass das ansprechende Angebot von kleinen Selfmade Labels, bestehend aus Leckereien, Klamotten, Schmuck, Brillengestellen aus (Skateboard-)Holz oder veganer, handgemacher Schokolade (Ich hatte eine Tafel gekauft, sehr lecker, liebe Frau Konditorin!), um nur einiges zu nennen, vom gleichen youfm veranstaltet wurde, welcher einem morgens mit hirnverbrannter EDM – Musik und krampfig gutgelaunter Moderation nervt, ich war wirklich positiv überrascht. Vielleicht liegen ja im Veranstalten ansprechender Märkte die Kernkompetenzen. Gut, die Geschmäcker sind verschieden, ich bin halt lieber ein fm4 – Hörer, die sind eben von Natur aus schon anspruchsvoll mit einer tollen Musikauswahl, aber das nur am Rande. Und doch, Bands wie zum Beispiel Schnipo Schranke oder Roger und Schu hörte ich niemlas bei einem deutschen Radiosender. Vielleicht bei Radio X, aber da denken bestimmt viele „Ja, das muss er jetzt schreiben, weil er selbst bei Radio X ist.“ – weit gefehlt, denn X ist ein Nichtkommerzielles Lokalradio ohne Corporate Identity und gleichzeitig ein Einschaltradio, d.h., es werden manchmal Sachen gesendet, die eine bestimmte Specialinterestgruppe anspricht und viele andere eben nicht, ein Blick ins handliche Programmheft ist also hier durchaus angesagt und kann zu erhellenden Momenten führen und somit ist x ungleich a und b.

Am letzten Donnestag war ich mal im Feinstaub bei Kiwi-Tom aka DJ Tame Tamati, der wie immer ein wilde Mischung aus Lieblingsmusik und Tracks aus Neuseeland aufspielte, wie so oft eine spaßige Angelegenheit. Dabei hatte ich auch ein Gespräch über meine Blogging und „wie ich das mache mit dem Weggehen“. Das ist eigentlich ganz einfach: Man überlegt sich vorher, was interessant sein könnte, bombt sich nicht in jeder Butze die Hucke zu und wenn es am Besten ist, haut man ab, ohne viel Veranschiedungs-TamTam. Und man muß auch nicht überallhin, es kann auch ein schöner Abend in der Kneipe um Ecke auf einem warten. Und wenn um zwei Uhr morgens irgendwo nicht die Party tobt, dann wird sich das auch nicht mehr ändern. Es kommt aber auch darauf an, was man will, in der Lebensfreude gibt es Kaltgetränke, in der Biertonne Kaltgetränke und Pizza, im Clubkeller Kaltgetränke, keine Pizza, dafür jedoch merkwürdige Raucherraumkonversationen. Achso: Kommunikation. Natürlich unterhalte ich mich gerne mit den Leuten, auch als DJ, das ist ja mittlerweile vielen abgegangen. Das ist das ganze „Geheimnis“. Das schafft jeder. Und das Ganze wird dann aufgeschrieben. Das kann überigens jeder und viele bestimmt besser als ich. Es gibt sowieso zu wenige Ausgehblogs über Frankfurt, denn gerade unter dem Radar gibt es so schöne Dinge zu entdecken und zu besuchen, und das Beste: Man lernt da Leute kennen, die ticken genauso wie man selbst und so trete ich oft den Heimweg an mit dem Gefühl, dass es doch noch Hoffnung gibt. Für den Main natürlich. Aber ich schweife ab.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich es am Freitag endlich mal in die Lotte Lindenberg – Studios geschafft hatte, denn via „x wie raus“ hatte ich mitgeschnitten, dass die Band „Mustard“, bestehend aus drei smarten Spaniern, die es sich bei den Lisbethbuben gemütlich gemacht hatten, eben dort in den Studios live ihre Kombination spanischer Musikalität und britischer Indie-Elektronik präsentierten. Also ich ankam, wurde ich gleich vom Inhaber des Hauses direkt ins Studio gebeten, vielen herzlichen Dank dafür, denn ich guck ja so gerne Studios. Am Kommandopult saß natürlich Indietronik-Chef Fakir höchstpersönlich, der mir auch einiges zum Studio erklärte. Eigentlich splitten sie die eingespielte Musik dreimal, einmal gehen die einzelnen Signale direkt ins Pult für einen analogen Mixdown, mit dem auch das Haus parallel beschallt wurde, was mir unbewusst übrigens beim Betreten gleich positiv auffiel, zum anderen auf die Studio – PA, mittels MOTU – Wandler und iPad – Interface. Das ist smart, das hatten die Jungs von „Vögel die Erde essen“ damals im Ponyhof auch gehabt, da der Live – Mix über ein iPad gesteuert wird, man muss sich nebst Verkabelung kein fettes Livepult in den Raum klotzen, und die Möglichkeit, flexibel von allen Stellen im Raum den Livemix zu kontrollieren, ist auch nicht zu verachten. Zu guter Letzt werden alle Inputs noch per Harddiskrecording aufgezeichnet, d.h., ein nachträglicher Mixdown und auch Remixe etc sind somit ohne weiteres Möglich. Die analoge Mixing – Konsolsole, eine D&R Avalon, konnte übrigens nur mittels Kran in die Studioräume geschafft werden, indem man die Decke vorher abgenommen hatte. Man stelle sich mal das Risiko vor: Da wird so ein Riesenwatz „eingebaut“ und dann ist es vielleicht defekt, da hätte ich schlaflose Nächte gehabt. Aber zum Glück ging alles gut, wie ich auch über die feinzeichnenden Abhöre im Studio gut nachvollziehen konnte (Da ich selbst Neumann Klein & Hummel benutze, glaube ich schon, dass mein Gehör mich da nicht übers Ohr haut.) . Achso, ja, die Band war auch ganz toll. Aber ich bin halt so unglaublich technikinteressiert, man solle es mir nachsehen. Eigentlich wollte ich dann noch in die Popup – Bar neberm ehemaligen Gaslicht, aber erstmal bin ich in den Drinksmith reingepoppt, um dort ein gepflegtes Pint zu zischen. Hinterher war ich dann noch nachhören, war der Brasilianer Onkel Jefferson zusammen mit der smarten Liza Lauter back2back in der Old Fashioned Bar veranstaltet. Ja, das war flott: Disco und House in kontiniuerlichen Vinylmix, sehr sehr schön. Dabei liess es sich schön versacken.

Am Samstag waren wir als Vinylriders im Horst zugange, jedenfalls 50% der Vinylriders, denn die cute Audrey und der coole Jimmy wurden beide von einer Armee Weltraumgrippeviren umgerissen, und so waren Boris Szech und der Neuntausender zusammen unterwegs. Funk Mission, Baby! Ich muss sagen, da ich vorher als Künstler noch nie im Horst gespielt hatte: Ich mag das Horst. Keine dummen Amsagen, wie ich so oft von Betreibern gehört habe (Merke: Dummer Spruch, dummer Betreiber!), ein entspanntes Personal und das beste Publikum, das ich seit langem bespielen durfte, eine top Anlage und Equipment, mit dem es sich sehr gut arbeiten ließ. Muss ja auch mal gesagt werden. Wir hatten eine sehr schöne Veranstaltung dort und werden das sicherlich nochmal wiederholen.

Irgendwann am frühen morgen wurde ich noch von einem netten Taxifahrer nach hause kutschiert, begleitet von einer netten Konversation über die alten Zeiten, als es noch erstrebenswert gewesen ist, mit abgeschnittenen adidas – Hosen ins XS oder ins Omen zu fallen. Kommunikation eben.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 45/46 – 2016

The Sex Organs am letzten Samstag im Kunstverein Montez - klare Sache, eine lange Stange und ein Dreieck.

The Sex Organs am letzten Samstag im Kunstverein Montez – klare Sache, eine lange Stange und ein Dreieck.

So langsam wird es kalt, ich habe schon mal den Hundeschlitten und die Huskies aufgetaut, wenn demnächst wieder gewittert, dann wird der Blitz in die Schlittenhunde… oh sorry, das wollte ich ja gar nicht schreiben.

Dieses mal wird es wirklich kurz. Über den Freitag könnte ich jetzt schreiben, dass wir als Vinylriders in Sachsenhausen einen Laden regelrecht zerlegt haben, Jimmy Jack und Patrick Neuntausend haben die kleinen schwarzen Scheiben niedrig fliegen lassen und die Butze war voll bis unter die Decke. Und nicht nur die, alter Hamsterradververwalter! Aber: geschenkt, das ist sowieso bekannt und Geschichte, wenden wir uns also lieber anderen Ereignissen zu!

Am Samstag nämlich, nachdem ich mich auf dem Konstimarkt an einem leckeren Bratkartoffelfrühstück labte, ging es auch schon recht früh am Abend in den Kunstverein „Familie Montez“, ihr wisst schon, bei der EhZettBee und neben dem Skatepark gelegen, dort wo dürrärmige Nordendmausschubser das Recht Ihrer Ledenfrüchte bis auf die Zähne verteidigen, mit einem Bobbycar in einer Skateboard – Arena herumzugondeln. Ich glaube ja, das ist der Neid der Besitzlosen, die im Teenageralter einfach zu blöd zum Skaten waren und sich jetzt immer noch ärgern, dass es einfach cooler aussieht, die Straße auf einem Board herunterzucruisen als neben der Alten mit dem Kinderwagen herzutapern. Und nein, ich war nie skaten. Ich war nämlich schlau genug, zu erkennen, dass ich dafür zu blöd bin und dass meine Kompetenzen auf anderen Gebieten liegen, die auch zum Glück nichts mit Bälgern zu tun hat. Ich mag ja Kinder, aber nicht die eigenen, deshalb hab‘ ich keine. Hätten wir das auch mal geklärt, ne.

Also im Monetz angekommen, ich hoffe, Ihr lest noch mit, danke, fein, da läuft einem der immer gut gelaunte Mirek über‘n Weg, wobei, es ist schon eher ein vorbeigeistern, so ein Huschen in Zeitlupe eben, ich finde, er bringt damit in eine angenehme Ruhe in die Hektik.

Denn es war schon einiges los, da wurden Instrumente aufgebaut, gestimmt, Kisten und Kabel umhergetragen. T-Shirt- und Plattenstände aufgebaut, durstig von der Maloche schon die ersten Biere gekippt, denn es sollte ein großartiger Abend werden. Und ich mittendrin, als kleiner Helfer im Getriebe. Naja, ich bin ja auch lieber das vorletzte Einhorn.

In der Mitte des Raumes wurden die Setups von vier Bands aufgebaut, das hieß viermal Schlagzeug, Amps, Mikros, Verstärker, was schon mal ungewöhnlich ist, aber auch verdammt cool anzusehen war, während an der Stirnseite die Bühne bestückt wurde für den Headliner des Abends: The Monsters. Ja, der Grieche hatte sich wieder mal so ein Ding ausgedacht, nämlich einfach mal fünf Bands hintereinander unter der Honsellbrücke spielen zu lassen, aber mal ganz ehrlich, so muß das auch sein, wie sich das am Abend noch bestätigte.

Musikalisch war der Abend geprägt von Garage Punk, Trash/Sex/Rock ‚n‘ Roll und einer Prise Psycho Blues, con­fe­riert von Miss Tula Trash und in den Umbaupausen sowie nach den Konzerten musikalisch umrahmt von den DJs INGO the SICK (Der Mann in den Platten), Konrad, „der“ O.R.G.E.L. und Trantafille.

Aufgespielt haben an diesem Abend, und es war wirklich eine gute Kombination, The Sex Organs (CH/NL), die als …hm langes, haariges Ding und schwarzes, zotteliges Dreieck… verkleidet auf der Bühne eine orgastische Show ablieferten – Uh ah oh…, The Devils (IT) mit Blasphemic Blues Noise Trash’n’Roll, The Cheating Hearts aus Hamburch, die ich schon mal vor ein paar Jahren zusammen mit Becky Lee im Studio hatte, und die waren: raw, wild and dirty! Gitarre, Gesang und derbes Schlagzeug, so muss das! Auch ein guter Bekannter waren die New York Wannabes, die „Kompromisslos energetische, bluesgetränkte, noisige Rockmusik, wie sie auf keiner Musikschule gelehrt wird.“ spielten. Besser hätte ich es mir auch nicht aus den Fingern saugen können.

Der Headliner waren natürlich The Monsters (CH), 30 Jahre auf die Fresse, die auch in Kombination mit dem unverwechselbaren Gesangstimbre eines Reverend Beat Man eine unglaubliche Wucht entwickelten, so brachial gut wurde ich selten umgeföhnt, und gut abgemischt war es auch noch. Ihren Stil nennen sie selbst „Wild Primitive Chainsaw Massacre Teenage Garage Punk Trash“, ich glaube, dem muss man nichts mehr hinzufügen. Jetzt stelle man sich folgende Entwicklung vor: The Monsters prügelten den Beton aus der Honsellbrücke und nach und nach begaben sie die anderen Musiker zurück zu Ihren noch aufgebauten Instrumenten in der Raummitte, und fingen an, mitzuspielen. Plötzlich erklang da also nicht mehr ein Schlagzeug, sondern fünf, da wurde hier gezupft und dort getrommelt und der ganze Raum war plötzlich Musik. Kann man schlecht beschreiben, selbst wenn man schreiben könnte, was ich ja nicht von mir behaupte, da muss man einfach dabei gewesen sein. EIn fantastischer Abend, gut besucht und ein Erlebnis für jeden, der dabei gewesen ist, I promise!

Hinterher gaben sich die oben genannten DJs die Platten in die Hand und ich habe mich dann irgendwann mit einer Bezahldroschke zurück nach Sachsenhausen gemacht, wobei mich die smarte Aqui zur Fahrt eingeladen hatte, denn früh morgens fährt „da“ ja nix gescheites. Danke auch nochmal an dieser Stelle :-)

Dann wollte ich nur noch ins Bettchen, gut, vielleicht war ich nochmal auf ein Becherchen in Alt-Sachs, aber nicht alles will weitererzählt werden.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

PS: Genauere Information zu den Bands kann man auch dem entsprechenden Facebook – Event entnehmen:
https://www.facebook.com/events/1171709056223592/