Wochenend – Rückblick 7/8 – 2017

Commander Fakir an der Konsole im Lotte Lindenberg - Studio
„Auf den Schirm!“ Commander Fakir an der Konsole im Lotte Lindenberg – Studio.

So, da isser wieder. Letzte Woche war ich bis auf ein paar Ausnahmen fast in identischen Schleifen unterwegs, damit will ja auch niemand kujuniert werden.

Erwähnenswert wäre ja auf jeden Fall der Kunstmarkt im Zoo – Gesellschafthaus vom vorletzten Wochenende, welcher vom Jugendradiosender youfm irgendwie mitveranstaltet wurde und auf den Namen „Marchè de Nuit“ hörte, also Nüsse im März oder so ähnlich. Irgendwie war es merkwürdig, dass das ansprechende Angebot von kleinen Selfmade Labels, bestehend aus Leckereien, Klamotten, Schmuck, Brillengestellen aus (Skateboard-)Holz oder veganer, handgemacher Schokolade (Ich hatte eine Tafel gekauft, sehr lecker, liebe Frau Konditorin!), um nur einiges zu nennen, vom gleichen youfm veranstaltet wurde, welcher einem morgens mit hirnverbrannter EDM – Musik und krampfig gutgelaunter Moderation nervt, ich war wirklich positiv überrascht. Vielleicht liegen ja im Veranstalten ansprechender Märkte die Kernkompetenzen. Gut, die Geschmäcker sind verschieden, ich bin halt lieber ein fm4 – Hörer, die sind eben von Natur aus schon anspruchsvoll mit einer tollen Musikauswahl, aber das nur am Rande. Und doch, Bands wie zum Beispiel Schnipo Schranke oder Roger und Schu hörte ich niemlas bei einem deutschen Radiosender. Vielleicht bei Radio X, aber da denken bestimmt viele „Ja, das muss er jetzt schreiben, weil er selbst bei Radio X ist.“ – weit gefehlt, denn X ist ein Nichtkommerzielles Lokalradio ohne Corporate Identity und gleichzeitig ein Einschaltradio, d.h., es werden manchmal Sachen gesendet, die eine bestimmte Specialinterestgruppe anspricht und viele andere eben nicht, ein Blick ins handliche Programmheft ist also hier durchaus angesagt und kann zu erhellenden Momenten führen und somit ist x ungleich a und b.

Am letzten Donnestag war ich mal im Feinstaub bei Kiwi-Tom aka DJ Tame Tamati, der wie immer ein wilde Mischung aus Lieblingsmusik und Tracks aus Neuseeland aufspielte, wie so oft eine spaßige Angelegenheit. Dabei hatte ich auch ein Gespräch über meine Blogging und „wie ich das mache mit dem Weggehen“. Das ist eigentlich ganz einfach: Man überlegt sich vorher, was interessant sein könnte, bombt sich nicht in jeder Butze die Hucke zu und wenn es am Besten ist, haut man ab, ohne viel Veranschiedungs-TamTam. Und man muß auch nicht überallhin, es kann auch ein schöner Abend in der Kneipe um Ecke auf einem warten. Und wenn um zwei Uhr morgens irgendwo nicht die Party tobt, dann wird sich das auch nicht mehr ändern. Es kommt aber auch darauf an, was man will, in der Lebensfreude gibt es Kaltgetränke, in der Biertonne Kaltgetränke und Pizza, im Clubkeller Kaltgetränke, keine Pizza, dafür jedoch merkwürdige Raucherraumkonversationen. Achso: Kommunikation. Natürlich unterhalte ich mich gerne mit den Leuten, auch als DJ, das ist ja mittlerweile vielen abgegangen. Das ist das ganze „Geheimnis“. Das schafft jeder. Und das Ganze wird dann aufgeschrieben. Das kann überigens jeder und viele bestimmt besser als ich. Es gibt sowieso zu wenige Ausgehblogs über Frankfurt, denn gerade unter dem Radar gibt es so schöne Dinge zu entdecken und zu besuchen, und das Beste: Man lernt da Leute kennen, die ticken genauso wie man selbst und so trete ich oft den Heimweg an mit dem Gefühl, dass es doch noch Hoffnung gibt. Für den Main natürlich. Aber ich schweife ab.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich es am Freitag endlich mal in die Lotte Lindenberg – Studios geschafft hatte, denn via „x wie raus“ hatte ich mitgeschnitten, dass die Band „Mustard“, bestehend aus drei smarten Spaniern, die es sich bei den Lisbethbuben gemütlich gemacht hatten, eben dort in den Studios live ihre Kombination spanischer Musikalität und britischer Indie-Elektronik präsentierten. Also ich ankam, wurde ich gleich vom Inhaber des Hauses direkt ins Studio gebeten, vielen herzlichen Dank dafür, denn ich guck ja so gerne Studios. Am Kommandopult saß natürlich Indietronik-Chef Fakir höchstpersönlich, der mir auch einiges zum Studio erklärte. Eigentlich splitten sie die eingespielte Musik dreimal, einmal gehen die einzelnen Signale direkt ins Pult für einen analogen Mixdown, mit dem auch das Haus parallel beschallt wurde, was mir unbewusst übrigens beim Betreten gleich positiv auffiel, zum anderen auf die Studio – PA, mittels MOTU – Wandler und iPad – Interface. Das ist smart, das hatten die Jungs von „Vögel die Erde essen“ damals im Ponyhof auch gehabt, da der Live – Mix über ein iPad gesteuert wird, man muss sich nebst Verkabelung kein fettes Livepult in den Raum klotzen, und die Möglichkeit, flexibel von allen Stellen im Raum den Livemix zu kontrollieren, ist auch nicht zu verachten. Zu guter Letzt werden alle Inputs noch per Harddiskrecording aufgezeichnet, d.h., ein nachträglicher Mixdown und auch Remixe etc sind somit ohne weiteres Möglich. Die analoge Mixing – Konsolsole, eine D&R Avalon, konnte übrigens nur mittels Kran in die Studioräume geschafft werden, indem man die Decke vorher abgenommen hatte. Man stelle sich mal das Risiko vor: Da wird so ein Riesenwatz „eingebaut“ und dann ist es vielleicht defekt, da hätte ich schlaflose Nächte gehabt. Aber zum Glück ging alles gut, wie ich auch über die feinzeichnenden Abhöre im Studio gut nachvollziehen konnte (Da ich selbst Neumann Klein & Hummel benutze, glaube ich schon, dass mein Gehör mich da nicht übers Ohr haut.) . Achso, ja, die Band war auch ganz toll. Aber ich bin halt so unglaublich technikinteressiert, man solle es mir nachsehen. Eigentlich wollte ich dann noch in die Popup – Bar neberm ehemaligen Gaslicht, aber erstmal bin ich in den Drinksmith reingepoppt, um dort ein gepflegtes Pint zu zischen. Hinterher war ich dann noch nachhören, war der Brasilianer Onkel Jefferson zusammen mit der smarten Liza Lauter back2back in der Old Fashioned Bar veranstaltet. Ja, das war flott: Disco und House in kontiniuerlichen Vinylmix, sehr sehr schön. Dabei liess es sich schön versacken.

Am Samstag waren wir als Vinylriders im Horst zugange, jedenfalls 50% der Vinylriders, denn die cute Audrey und der coole Jimmy wurden beide von einer Armee Weltraumgrippeviren umgerissen, und so waren Boris Szech und der Neuntausender zusammen unterwegs. Funk Mission, Baby! Ich muss sagen, da ich vorher als Künstler noch nie im Horst gespielt hatte: Ich mag das Horst. Keine dummen Amsagen, wie ich so oft von Betreibern gehört habe (Merke: Dummer Spruch, dummer Betreiber!), ein entspanntes Personal und das beste Publikum, das ich seit langem bespielen durfte, eine top Anlage und Equipment, mit dem es sich sehr gut arbeiten ließ. Muss ja auch mal gesagt werden. Wir hatten eine sehr schöne Veranstaltung dort und werden das sicherlich nochmal wiederholen.

Irgendwann am frühen morgen wurde ich noch von einem netten Taxifahrer nach hause kutschiert, begleitet von einer netten Konversation über die alten Zeiten, als es noch erstrebenswert gewesen ist, mit abgeschnittenen adidas – Hosen ins XS oder ins Omen zu fallen. Kommunikation eben.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend