Archiv für Dezember 2016

Wochenend – Rückblick 48/49 – 2016

DJ Alexander Antonakis: Expertise in Sachen Disco, Boogie und House in der Old Fashioned Bar
DJ Alexander Antonakis: Expertise in Sachen Disco, Boogie und House in der Old Fashioned Bar

Das war eine Woche, da kam man aus dem Gerippte‘ gar net mehr ‚raus.

Am Donnerstag gab es ja die offizielle Neueröffnung der Old Fashiond Bar in Alt – Sachsenhausen. Natürlich hatte ich es mir nicht nehmen lassen, mal dort vorbeizuschauen und das Gedicht vom Bodensee zu zelebrieren. Kennt Ihr nicht? Das geht so: „Ach, was tut mir mein Herz so weh, wenn ich vom Glas den Boden see!“ Betreiberin Diana Haider hatte es sich nicht nehmen lassen, einen Rum Punsch anzusetzten, von dem jeder der Gäste einen auf’s Haus bekam. Punsch kommt ja aus dem Hindu – Sprachgebrauch, und heisst soviel wie „5″, weil eben nur fünf Zutaten drinne sind. Die Lisbethbube haben damals das Getränk von Indien nach England mitgebracht, oder vielmehr das Rezept, wobei, den Jungs wäre aus zuzutrauen, dass sie wegen einem Faß Punsch nach Indien gesegelt wären. Naja, „Punch“ heisst ja auch Schlag, was sicherlich auch irgendwo zutreffend ist, denn man bekommt ganz gut einen auf die Mütze. Musikalisch gut versorgt wurden wir ohnehin von Sachsenhausens letzten Gentleman, nämlich Thomas „Kaiser L“ Leiser und Thommy „The Reverend“ Rinke, da gab es schön Soul, Swing und Jazz auf die Ohren.

Auf dem Rückweg ging es noch beim Kiosk in der Elisabethenstrasse vorbei, das große am Eck, die haben nämlich jetzt indische Fertiggerichte, die sind sogar zum Teil vegan und es ist kein Mist drin. Wenn man anstatt einer Küche drei Wochen lang nur eine Mikrowelle hat, muß man kreativ werden. Und parallel mit Unmengen Falafel, Ramen – Nudelsuppen und Olbia Pizza (vegane Opton) ausgleichen. Oder asiatisch essen gehen. Geht schon. Auf dem Kaff wäre ich jetzt schon verhungert.

Freitags war immer noch Neueröffnung, eigentlich hätte ich ja arbeiten sollen, aber manchmal klappt es eben nicht mit der Kommunikation, deshalb war ich nochmal in der Old Fashioned und hab‘ dem smarten DJ Alexander Antonakis beim Mixen zugehört, denn es gab Disco und House auf die Ohren, sehr schön entspannt, das Ganze! Achso, ich hatte so ein Seventis – Hemd angehabt mit fies psychedelischen Muster. Damit war ich kurz drüben gewesen in der Klapper, zum Kippenholen. Da war so eine Gruppe Rockjungs drinne gewesen, die haben mich so derart ungläubig angeschaut, ich glaube, sie waren sich nicht sicher, ob sie richtig gesehen haben. Ach, sowas macht ja auch immer wieder Spaß. Man muss sich ja auch über so Sachen freuen!

Am Samstag war ich dann doch früher wach als befürchtet und verfrühstückte mich gleich schon mal auf dem Konstimarkt, bevor ich in die Fahrgasse in den Winkekatzenasiamarkt zum Nudelsuppen kaufen ging. Und einen Kanister Sojasauce. Veganeralbträume gehen so: Es ist Sonntag nachmittag, und plötzlich ist die Sojasoße leer und die Hefeflocken sind alle. Gut, das würde mir nicht passieren, denn ich habe fast immer ein paar Nudelsuppen im Haus, wenn mal Besuch kommt. Kommt aber nicht. Was Besuch? Nein danke, bitte! Sorry not sorry. Ich könnte nämlich derzeit nicht mal so Fightclubmäßig herumjammern, dass ich tolle Gewürze, aber nichts zum Essen im Kühlschrank habe, weil ja auch kein Kühlgerät vorhanden ist. Gefühlt gähnt da ein Loch in der Wohnung, so wie in „Themroc“, aber ich schweife ab. In der Innenstadt hatte ich auch übrigens das Gefühl, da fehlt noch ein Drogeriesupermarkt. So gerade an der Konstablerwache sieht man Menschen darben mit Splisshaaren und Hornhautkäsquanten, weil der nächste Drogeriedealer so weit weg ist. Sei es drum! Zurück zum Südmain!

Natürlich hatte ich noch ein bißchen Hunger und war nochmal beim Sachsenhäuser Markt im Hof, um mir nochmal so einen leckeren syrischen Wrap reinzuschrauben. Wenn ich abends auflegen gehe, muss ich immer mittags essen, sonst nervt das den ganzen Abend rum. Und so ging es am Abend hinab in den Clubkeller, bekannt für erlesene Musik, neue Bekanntschaften und grausame Abstürze. Ich meine, wer morgens so ab vier die Treppe nach oben mit drei Plattenkisten würdevoll schafft, hat den Titel „Master of Pomm Fritz“ wahrlich verdient. Wir waren einmal wieder als „The Vinylriders“ am Werk, allerdings nur zu zweit, nämlich die smarte Audrey Horne mit beeindruckendem Ohrschmuck und der Neuntausender, weil Boris Szech und Jimmy Jack krank auf der Schnauze gelegen hatten. Und so liessen wir die Platten aus dem Bereich Sixties Soul, Funk und Artverwandtem niedrig fliegen, aber die Mädels und Jungs wollten es ja später unbedingt wissen, und deshalb gab es noch ein paar Dubstep – Ghettofunk – Nummern von Onkel Slynk und Kool Hertz, in Kombination mit ein paar Tracks von den Beastie Boys und The Mohawks auf die Ohren. Wenn die Crowd feiern will, wird nicht geteacht. „Party, not arty!“ muß es eben manchmal auch sein, genervt von irgendwelchen Besserwissern wird man ohnehin schon die ganze Woche. Ging ganz schön gut ab, ich freue mich schon auf das nächste mal. Und so zog ich, dabei immer sehr darum bemüht, würdevoll daherzuschreiten, gegen halb sieben meine Platten nach hause. Wenn es schneit, kauf ich mir mal einen Plattenschlitten. Schön sind auch immer die Taxifahrer, die eine Fresse ziehen, wenn man die drei Meter gefahren werden will. Ist so, als wenn der Zahnarzt mit einem schimpft, weil man sich einem Miniloch im Zahn überhaupt in die Praxis getraut hat.

So, nun muss ich aber aufhören, meine Nudelsuppe wird kalt. Bis nächste Woche!

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend