Archiv für Oktober 2016

Wochenend – Rückblick 43/44 – 2016

Konzentriert mit der Materie verbunden: Trianfille bei Auflegen im Yachtklub am letzten Freitag
Konzentriert mit der Materie verbunden: Trianfille bei Auflegen im Yachtklub am letzten Freitag

Na, diese Woche konnte ich mich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen.

Ein schönes unter-der-Woche – Highlight war am Donnestag die römische Brassband Veeblefetzer, die mit ihrem Zirkussoundgemisch, wie es der gängige Terminus ist, „in keine Schublade passen“. Aber das denkt David Guetta sicherlich auch von sich. Nur in diesem Falle war diese Aussage durchaus gerechtfertigt, denn ein musikalischer Wirbelwind aus Reggae, Surf, Balkan, Rock ‚n‘ Roll, um nur mal die oberste Schepperschicht zu rekonstruieren, fegte über uns hinweg, das Feinstaub brechend voll und die Jungs wussten schon, wie sie uns kriegen. Daran erkennt man eben auch die Vollblutmusiker, denn schon kurze Zeit später hatte die ganze Butze getobt. Auf der Bühne zu viert, bewaffnet mit Gitarre, Trompete und Schlagzeug, sowie, das Beste kommt zum Schluß, einem Sousaphon. Das, liebe Mädchen und Buben, ist eine Art Riesentuba, die dem Musiker wie um den Bauch gewickelt erscheint, ein Instrument, dass mit seinem Bass – Sound das halbe Nordend erzittern ließ, ganz großartiger Spaß. Da komme ich wieder, wenn die Jungs mal wieder inder Nähe sind!

Am Freitag war ich in Sachen DJing unterwegs, denn The Astroids und The Excitements spielten im Bootsinneren auf, und Konrad sowie Trianfille und meine Krümeligkeit wären für das Drumherumauflegen zuständig. Während The Astroids gekonnt durch Fuzz-Gitarren und kreischende Orgeln die 60s Garage Rock – Gemeinde invasiv unter Beschuß nahmen, wirbelten The Excitements mit Ihren 60s Soul / R ‚n‘ B Sound durch den Bauch des Yachtklubs, allen voran natürlich die smarte Koko-Jean Davis, die mit atemberaubender Bühnenpräsenz immer wieder das Publikum begeisterte, begleitet von Blechinstrumentarium, Gitarre, Bass sowie einem ultratanzbaren Schlagzeugspiel. Auch hier war ein schönes Konzerterlebnis garantiert, ich glaube, da sind sich alle Anwesenden einig gewesen. Hinterher ging es noch ein bißchen an die Plattenspieler, und im Wechsel mit Konrad und Trianfille liessen wir die schwarzen Scheiben kreisen. Und so verlief der Abend in interessanten Bahnen, bei angenehmer Musik und einem tollen Publikum, und, das muss man ja auch mal sagen, einer sehr netten Yachtklubcrew.

Samstags ging es nach dem Ausschlafen und nachdem ich so einige Patricksachen erledigt hatte, pelhammäßig nach „ausserhalb“, denn das Tanztreffen in der Rödelheimer Raumstation stand an, die es unbedingt zu besuchen galt, denn es könnte durchaus sein, dass genau ein von herbeigeklagtem Lärm geplagter Nachbar dafür gesorgt hat, dass der Laden demnächst dichtmacht. Die Polizei, die oftmals eilig herbeizitiert wurde, konnte übrigens noch nie eine Beanstandung feststellen, aber wenn dann Messungen durchgeführt werden, die „gefühlte Beeinträchtigungen“, Feng Shui und eine große Box vollgeheulter Taschentücher berücksichtigen, dann kann sich das vom Ergebnis her schon mal ändern. Aber das ist nur meine Meinung, basierend auf dem, was man so in seiner Kristallkugel liest. Auf jeden Fall verbrachten wir einen schönen Abend bei limitierter Lautstärke, beschallt von den DJs Doris Night, Miss Audrey, Duck Tunes sowie einem weiteren Künstler mit Swing, ElektroPop, Remixen und Breakbeat (!!!), bis wir dann in den frühen Morgenstunden in die S-Bahn gefallen sind. Nachdem natürlich die Bahn davor ausfiel und wir mit Kaffee die Zeit zu überbrücken wussten. Durfte wahrscheinlich nicht fahren, die Bahn, war den Nachbarn bestimmt zu laut.

Irgendwann war man dann auch in seinem Bettchen, ich erwähnte es bereits, so ein Bett ist schon voll korrekt!

Was ich übrigens darüber hinaus auch noch erwähnen wollte, ist, dass letzte Woche in der Grossen Rittergasse 53 „The London“ Pub // Brasserie eröffnet hatte, und wer weiß, dass dort der ehemalige Barkeeper der Old Fashioned Bar die Geschicke lenkt, der weiß, dass der neue Laden in guten Händen ist.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 42/43 – 2016

DJ Madame Summit mit Spaß in Aktion: Grandenlos tanzbare Mischung aus Elektro Swing, House und Remixen in der Old Fashioned Bar
DJ Madame Summit mit Spaß in Aktion: Grandenlos tanzbare Mischung aus Elektro Swing, House und Remixen in der Old Fashioned Bar

Gleichförmig herbstlich zog die Woche vorüber, die mir auch in vollkommener Verweigerung der Buchmesse viel Spaß bereitet hatte.

Schon am Donnerstag zog es mich ins Feinstaub, wo der russische Gelehrte Vitali Konstantinov, der auf jeden Fall Kunst und Architektur in Russland, Grafik, Malerei und Byzantinische Kunstgeschichte in Deutschland und wahrscheinlich noch Kosmonautik, russische Literaturgeschichte und Sozialistische Komperatistik studierte, dem geneigten Zuhörer einiges Interessantes zu berichten wusste. Ich mochte sofort seine Erzählstimme, die der Offsprecherstimme aus den Ijon Tichy – Folgen ein wenig nahekam, aber das ist ein anderes Thema, und auch der lange Vollbart und die runde Brille unterstrichen ein gewissens Bild, welches mich eingangs zu dem Wort „Gelehrten“ inspirierten. Herr Konstantinov stellte nämlich seine Graphic Novel „Leben und Werk von Dostojewski“ vor, die zwar unaufgeregt im Titel daherkommt, dennoch inhaltlich vortrefflich das bewegte Leben des Dichters Fjodor Dostojewskis beschreibt. Konstantinov hatte hierzu eine schlaue Idee umgesetzt: Anstatt die Bebilderung, welche er mittels Projektor (Nicht Beamer!) an die Wand projizieren liess, oder, um genauer zu sein, die darin enthaltenen Texte vorzutragen, trug er lieber die Briefe vor, die Dostojewski parallel zu den in den Bilder dargestellten Ereignissen an seinen besten Freund, seine jeweils aktuelle Partnerin oder auch an seinen Vater geschrieben hatte. Natürlich übersetzte Herr Konstantinov vorher die Briefe, die einen vortrefflichen Wortwitz, auch bei der Beschreibung noch so mißlicher Umstände, nicht missen liessen, welches der Herr natürlich auch noch mit Kommentaren versah, welche in ihrer trockenen Süffisanz herrlich in das Gesamtbild passten. Ich spreche selten ein Empfehlung aus, aber in diesem Falle hatte mir das Gesamtpaket so gut gefallen, da kann man auch mal ein gutes Produkt vorstellen: Leben und Werk von Dostojewski – FMD. Die Comic-Biografie, Preis: € 22,– (D) 22,70 (A) | ISBN: 978-3-86873-850-6.

Am Freitagabend war ich erstmal ein bißchen im Alt-Sachsenhausen als Botschafter von „Sachsenhausen at Night“ unterwegs, denn so langsam läuft das Social Media Management – Geschäft an, und ich denke, ich werde mich auf die Social Media – Bedürfisse der Gastronomie spezialisieren. Natürlich lege ich dann am 19. November zu SAN auch auf, und zwar in der Le petit Maison Rouge in der Grossen Rittergasse 89, wo man im oberen Stockwerk in gemütlichen Sesseln sitzen oder sich in ein ---> Bett kuscheln kann, wenn man das möchte. Ich finde ja Betten großartig. Dort flugs die Details abgesprochen und dann ging es weiter in die Old Fashioned Bar, denn dort haben wir smarte Auflegekompetenz aus Köln hergebucht, nämlich DJ Madame Summit, die mit ihrer Mischung aus Elektro Swing, Deephouse, Mashups und ich hatte sogar einiges aus der Speed Garage – Ecke herausgehört, das Publikum zu begeistern wusste und für gute Stimmung sorgte. Aber das war auch kein Problem für die kölner Künstlerin, die auflegeerfahren schon als Support Act von Parov – Stelar zu begeistern wusste. Also habe ich auch hier einen schönen Abend verbracht, denn der Laden füllte sich nach und nach mit den richtigen Leuten, so lief mir nach Ewigkeiten der gute Franz Fischer mal wieder über dem Weg, der ja gerade das Becksche Theater (Alte Brücke) erfolgreich bespielte. Irgendwann wollte ich dann aber doch in die Heia, denn, ich meine, ich erwähnte es schon einmal, so ein Bettchen ist schon was feines.

Am Samstag war ich chillen. Zwar nicht lang, aber dafür breit. Aber ich raffte mich auf und ging erstmal auf den Konstimarkt zum Spätstücken. Die Erfahrung zeigte nämlich, dass es immer gut gewesen ist, rauszugehen, wenn man ein bißchen mau ist.
Zurück im Elfenbeinturm wurde die Platten sortierte, denn Bora von Les Apaches de Frankfort hatte mich zum Auflegen zur Art, Moto & Rock‘n'Roll – Party eingeladen, und dem Ruf bin ich natürlich gerne gefolgt. Also begab ich mich ins Orange Peel, wo ich vor und nach den grandiosen Rhythm Torpedos aus Marburg, deren musikalischer Schwerpunkt ganz klar in den Fiveties liegt, ein paar Schallplatten drehte. Und was haben die Jungs aufgespielt, alter Salamander, zwei Sets von jeweils einer Stunde zeugen auf jeden Fall von einer motivierten Spielfreude, und auch am Ende des Sets ließ das Publikum die Combo erst nach Zugaben von der Bühne. Parallel konnte man die Bilder des Fotokünstlers von Carsten Riedel bewundern, von denen man im Rahmen einer Verlosung eines gewinnen konnte, nebst individuell gestalteten Helm von den Helmade – Jungs, um nur mal zwei Dinge von vielen zu nennen. Abgefahren war auch die Möglichkeit per Los eine Kaufoption auf ein komplett neu aufgebautes, individuelles Motorrad zu gewinnen (Fragt mich nicht, davon habe ich keine Ahnung…). Warum ich das so begeistert aufzähle: Na, wie immer gingen die Einnahmen der Verlosung von Bild, Helm etc an die Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V., deshlab bin ich da gerne mit dabei und freue mich schon auf’s nächste mal!

Dann ging es aber wieder nach Hause, und zwar ins…genau, ins Bettchen!

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 41/42 – 2016

Sir David Rodigan im Zoom am 14 Oktober 2016
Rewind, Selecta! Sir David Rodigan im Zoom

Nach einer merkwürdigen Woche wollte ich am Freitag nicht noch mehr merkwürdige Menschen sehen und meidete Plätze wie den Friedberger Platz oder die Rückseite des Mondes. Denn auch in Sachsenhausen wurde abends schon ganz ordentlich frisch. Aber mit ein paar Jäckchen übereinander hält man das doch ganz gut aus.

Nach ausgiebigem Vorbereitungschillen begab ich mich zuallervorderst zur Old Fashioned Bar, wobei ich mich gegenüber der Dönerkurve erst einmal durch einen Pulk jugendlicher Alkoholmißbrauchsanfänger kämpfen musste, um dann in der Klappergasse vorbei an unseren uniformierten Freunden, endlich in die kleine Bar zu schlüpfen. Drinnen tobte schon einigermassen der Balkanbär, denn DJ Tomo Polic hatte hinter dem Mischpult schon einmal klargemacht, wo der Bora weht. Also gab es einiges aus Osteuropa, aber auch Gypsy- und Swingweisen auf die Ohren, und zwar so, dass es krachte. Da war echt einiges los, auch weil die smarte Julijana ihren Abschied für diesen Abend aus der Old Fashioned Bar ankündigte, da kam(en) natürlich einige(s) zusammen. Aber keine Angst, ohne jetzt zu spoilern: Die Bar wird weiterhin „Das Old Fashioned“ bleiben, da kann ich alle beruhigen, wobei, so ein Shishaladen würde sich doch ganz gut in der Ecke machen, ne.

Mit der eisernen Disziplin eines Waschlappens konnte ich mich dann doch losreissen, denn der Main musste für einen Sir überquert werden. Denn keinen geringeren als Sir David Rodigan hatten die Jungs von Soundbwoys Destiny erfolgreich auf die DJ – Brücke gebeten, und der Mann versteht natürlich ebenso wie die Soundbwoys sein Handwerk. Reggae, Dancehall, Trap, Dubstep, Dub, oder Grime, das waren die Werkzeuge eines verdammt gutem Teams, und – Yes Man! – da blieb kein Stein auf dem anderen. Sir David liess es sich auch nicht nehmen, das Mikrophon zu Hand zu nehmen und den einen oder anderem Rewind am CD-Player hinzulegen, was die Stimmung noch weiter anheizte. Und so wurde im Zoom der Boden zur Bassline, keine Chance, dem eigenen Grinsen zu entgehen mit Vibes, die etwas Gutes von den Happy Breakbeat – Zeiten hatten, damals im XS. Fröhliches Tanzen war Programm bunter Menschen in dieser Nacht, Frankfurt at its best, baby! Da schau ich gerne wieder mal vorbei :-)

Auf dem Weg zurück tat man sich zusammen, um gemeinsam in den Yachtklub zu pilgern, denn ich guten Partynächten finden sich immer die Richtigen, auch wenn ich die Beiden mit den goldenen Herzen auf dem Deck meines Lieblingsbootes wieder aus dem Augen verlor, aber so ist die Nacht eben. Klein ist die Welt, immerhin lernte ich so einen Nachbarn kennen, der seit Jahrem im gleichen Gebäude wie ich wohnt, während der andere seit kurzem der Schwipschwager von Sido ist. Nach, da konnte mir ja auch nichts mehr passieren, es sind ja auch gute Jungs gewesen, im minikleinen Frankfurt wird man sich sicherlich bald wieder über den Weg laufen. Gute Jungs waren auch im Yachtklub an den Plattenspielern am Werk, nämlich DJ Sherm und Mr. Neal von den Funkfreaks Frankfurt, die sich für einen grandiosen Abend die Kanadier Walla P. und Dr Mad von Voyage Fantastique mit ins Boot geholt hatten (hahaha, der musste sein) und dafür freudig betanzt wurden. Und wegen der Kleinheit Frankfurts lief mir auch gleich eine Kollegin vom letzten Wochenende über die Füße, die während der Monster Jam nahrhafte Buntwatte und Slushies an unterzuckerte Mittelstandskinder verkaufte und sich wunderte, was „ich denn hier machte“. Geiler Scheiß, da im Yachtklub, demnächst spielen dort die Exitements und der Neuntausender wird auch ein paar Supportsschallplatten schwingen, denn die Combo zählt neben den Buttshakers zu denen, für die ich das uneingeschränkt gerne tue. Die Exitements haben es einfach drauf. Punkt.

Auf dem Rückweg nahm ich noch eine Scheidebecher im Clubkeller und kroch unter die Heiadecke.

Dass ich am nächsten Tag in den Landungsbrücken eine famose Interpretation von Büchners „Woyczek“ gesehen habe, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, nämlich mit einem unglaublich wandlungsfähigen Jochen Döring und einer Katze, von der nicht nur mein Kater hin und weg gewesen wäre, just saying. Das Ganze im gewohnt reduzierten Stil und ebenso gewohnt auf hohem Landungsbrücken – Niveau, ein toller Einstieg für einen Samstagabend. Und danach waren wir auch noch im Dreikönigskeller, unvorbereitet, es gab ein Doppelkonzert, die Hütte war voll und hatte gebrannt, während „Der Niko“ hinter der Theke trohnte und die Meute im Griff hatte. Alright, Dreikönigskeller, da geht man wohl wieder hin. So ein Neuanfang ist eben manchmal mühsam, flüsterte mir kürzlich ein Eichhörnchen.

So, eigentlich war das wieder zuviel Text, sowas passt ja niemals auf ein Mobiltelefondisplay. Ist mir aber egal :-)

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 40/41 – 2016

Der Neuntausender und ein Trautonium
Der Neuntausender und ein Trautonium – ein gelungener Konzertabend im Paul Hindemith Kabinett (Foto: Debraj Roy, Fachmann für den Einsatz und das Bespielen klassischer und moderner Musikinstrumente)

Da war ja in den letzten Wochen ganz schön was los, ne. Leider bin ich vor zwei Wochen nicht zum Schreiben gekommen, weil ich ja am Sonntagabend, wie zuvor angedroht, im Rahmen der Dada-Veranstaltung im Kunstverein Montez ebenfalls eine kleine Perfomance als Sputnik the Cat zum Besten gegeben hatte, eine Kombination aus Synthesizer und portablen Plattenspieler, um die Bedeutungslosigkeit des gesprochenen Wortes an sich aufzuzeigen. Mit dabei waren allerdings auch Achim Szepanski, Terry Lee Brown Junior, Sigi Zahn und viele andere, woraus sich eine künstlerisch abwechslungsreiche sowohl als auch anspruchsvolle Veranstaltung ergab. Nicht unerwähnt lassen möchte ich natürlich an dieser Stelle die grandiose Performance von Negativland, very great! Die nächste Dada findet am 11. Oktober auf dem Yachtklub statt.

Am darauffolgenden Mauerjubelwochenende zog es uns als Vinylriders in Komplettbesetztung in den Clubkeller, wo wir einen schönen Schallplattenabend verbrachten, der nicht nur die entsprechende musikalische Unterhaltung mit sich brachte, sondern auch viele interessante Gespräche mit den Gästen. So ein Rauchersalon ist doch manchmal eines der besten sozialen Netzwerke, die es geben kann. Und so habe ich den Samstagabend ein wenig entspannter verbracht, denn manchmal muß man sich eben auch mal ausruhen, aber auch am Sonntagabend, an dem ich eigentlich nochmal qualitativ ansprechend das Haus verlassen wollte, zeigten sich die entsprechenden Lokationen ob der Besuchsfaulheit ein wenig mau. Dem Frankfurter ist es halt zuviel Stress, so oft auszugehen. Auch Sätze wie: „Im Gallus? So weit?“ oder „Oh es regnet, ich weiß noch nicht, ob ich weggehen will.“ sind hier irgendwie keine Seltenheit. So wird das auf Dauer natürlich nichts mit dem Nachtleben.

Am letzten Samstag war ich mal ein bißchen aus der Reihe in der Commerzbank – Arena unterwegs, wo ich im Rahmen der Monster Jam die Augen von kleinen und großen Kindern zum Leuchten gebracht habe, indem den Neuntausender ein bißchen Krams verkauft hatte. Und so wechselten kleine Jeeps mit Riesenreifen, Mützen, Wimpel und massig Tshirts den Besitzer, während große Jeeps mit Riesenreifen den Eintrachtrasen plattgefahren haben. Aber das macht ja auch keinen Unterschied. Für den Rasen. War auf jeden Fall interessant, gerade, wenn man überall in der Arena mal reinschauen kann, den entsprechenden Zutrittausweis vorausgesetzt. Und währenddessen bekommt man noch eine Zusatzausbildung in Sachen Monster – Jeeps, denn nun kann ich kenntnisreich zwischen Zombie, Grave Digger und Madusa (nettes Wortspiel indeed) unterscheiden, ist das nichts? Natürlich machen die Fahrzeuge einen Riesenlärm, und so gingen Gehörschutzkopfhörer auch ganz gut weg.

Nach der Show fuhr ich erstmal nach Hause, wo ich ein frisches Hemdchen überwarf, denn für bestimmte Veranstaltungen kann man sich auch mal bemühen, halbwegs ordentlich auszusehen. Gut, tue ich ansonsten auch, jedenfalls innerhalb meiner Welt, aber das ist nochmal ein anderes Thema. Gerade rechtzeitig traf ich im Orange Peel zur Burleske – Show von Lou on the Rocks, Lilly Tiger und Mama Ulita ein, welche charmant von Miss Elise Marly und Sugar la Luz (Mau…hahaha) ins entsprechende Rampenlicht moderiert wurden. Allesamt waren die Perfomances im Rahmen der „Salon Noir“ – Reihe eine unterhaltsame Kombination aus Erotik, Glitzer und Koketterie, welche vom sichtlich gut gelaunten Publikum begeistert abfeiert wurden. Natürlich gab es auch noch Musik aus den Schatzkisten der DJs (nicht Djs, DJ’s oder Dj’s) Danyell, Stephan Umbach sowie Shakin Casy, selbstredend erwartete die Gäste sicherlich auch hier eine gute musikalische Auswahl, aber ich musste weiter. Achso, natürlich war die Veranstaltung vollkommen zu Recht ausverkauft, Qualität setzt sich eben durch, ich glaube, jeder der Gäste war davon überzeugt, hier am richtigen Ot zur richtigen Zeit gewesen zu sein.

Auf dem Weg in den Elfenbeinturm machte ich nochmal eine längere Rast im Yachtklub, denn es gab ein seltenes DJ – Set von Krystyna zu bewundern, die zusammen mit Qiu, der aus dem Umfeld des Leipziger Institut für Zukunft stammt, die Gäste mit Minimal und Techhouse beschallte, dass es ein Spaß war. Für mich auch immer wieder eine gute Quelle der Inspriration, da ich selbst gerne mit elektronischen Klangerzeugern experimentiere.

Und so war ich schon ein bißchen aufgeregt, als ich am Sonntagabend ins Sachsenhausener Paul Hindemith Institut pilgerte, denn „Peter Pichler“ spielte „in Begleitung von Jan Polívka (Piano) alle Kompositionen von Paul Hindemith für das damals neu entwickelte, elektronische Instrument – das Trautonium – Eine Sammlung an Raritäten an einem Abend, die aktuell nur Peter Pichler live auf dem Originalinstrument zu Gehör bringt.“ (Zitat http://www.peterpichler-trautonium.com/deutsch/aktuell/ ). So etwas bekommt man natürlich selten zu hören, und so war es nicht verwunderlich, daß die Konzerte ruckzuck ausverkauft waren. Man kennt das Instrument, vielmehr seinen Klang, auch unter anderem aus dem Hitchcock – Krimi „Die Vögel“. Im Musikzimmer des Paul Hindemith Kabinetts, welches sich im obersten Stockwerk des kleinen Kuhhirtenturms befindet, während man in den darunterliegenden Stockwerken Exponate und Wissenswertes über Herrn Hindemith besichtigen darf, wohnten wir einem schönen und auch aufschlußreichen Konzertereignis bei, welches uns später immer noch in Verzückung versetzte, auch wegen der Spielfreude der beiden Musiker, der Örtlichkeiten und natürlich der wunderschön hörenswerten Instrumentierung. Vielen Dank auch dafür dem Paul Hindemith Institut!

Und so begab sich der Neuntausender nach einem kleinen Scheidebecher im Feinstaub zurück in den Elfenbeinturm und träumte von sphärischen Flächen, und vielleicht auch ein bißchen von einem eigenem Trautonium.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend