Wochenend – Rückblick 47/48 – 2015

Maison Mirage avec Psycho-Jones @ Tiefengrund
Maison Mirage avec Psycho-Jones @ Tiefengrund

Ein Glück, dass ich mich nicht mit solchen Sachen wie „Schatz, wir müssen am Samstag einkaufen“ – Kram herumärgern muss. Oder Gedanken daran verschwenden, welche Dekokieselsteinchen zum Tischläufer passen. In dieser Art von Sport bin ich nicht involviert. Und es ist auch nicht sinnvoll, damit anzufangen. Deshalb kann ich mich auch schön draussen herumtreiben. Wie am Samstag zum Beispiel. Natürlich frühstücke ich nicht. Ich setzte mich nicht an einem Frühstückstisch und schmiere mir bäckerfrische Brötchen mit Fruchtmarmelade, während die Kaffeemaschine vor sich hinröchelt. Langsam gebrühter Kaffee schmeckt mir sowieso nicht.
Viel lieber gehe ich samstags nach dem Aufstehen auf den Konstimarkt. Da gibt es alles lecker und frisch direkt vom Erzeuger. Und das Geschirr bleibt sauber. Come on, so ein Bratkartoffelfrühstück ist unschlagbar, gerade wenn man vorher mit einem Kaffee rausgeboxt wurde.

Später ging es dann zu Radio X, denn der Klugschneider und meinereiner hatten uns vorgenommen, die samstägliche „x wie raus“ – Sendung auf Radio X zu moderieren. Das ging auch alles recht flott von der Hand, obwohl man vor dem Samstag schon ein bißchen Bammel hat, denn das ist in Punkto Ausgehen schon der Mastertag. Aber ich glaube, das machen wir nochmal.

Nachdem ich den Klapprechner ins Bett gebracht hatte, begab‘ ich mich zum Aufwärmen ins Feinstaub, wo Madame Angelique und Charlie „The Imperial Sugarhand“ Reichelt CD Player und Plattenteller mit einer kenntnisreichen Musikauswahl fütterten, und das hatte Ihr gut geschmeckt, der Chocolate – Box. Nach einem schönen Plausch begab ich mich über die Strasse zum Tiefengrund, um zum einen mal die Samstagslage auszuchecken, da wir ja als Vinylriders am kommenden Samstag DJ Woo-D aus Ljubljana dort präsentieren und zum anderen, weil ich endlich mal dem Ausnahme DJ „Psycho-Jones“ einen Besuch abstatten wollte, denn schliesslich hiess es „MAISON MIRAGE avec Psycho-Jones“. Unterhalten hatten wir uns schon oft, eine coole Socke indeed und voller Ideen. Seine Auflegeabende dekoriert er liebevoll mit Retrokonsolen (allein 2 Vectrexgeräte hatte ich gesehen), Blink- und Leuchtobjekten, Plüschfellen und allerlei anderen, interessanten Kram, aber auch mit Enterprise- und Star Trek – Aufstellern und Totenköpfen in vielen Variationen, währed der Herr selbst mit Rennfahrermütze im 20er Jahre Stil hinterm Mischpult stand. Musikalisch wird auch hier einiges geboten aus den Bereichen, Disco, Glamrock, Surf, Punk wave und und und, Musik aus Ton-, nicht aus Datenträgern ist hier auch die Prämisse. So langsam füllte sich der Kellerladen und die Stimmung war eine gute. Das war auf jeden Fall ein spaßiger Abend, auch mit lehrreichen Gesprächen über LED – Leuchtleisten und kantiger Musik.

Doch dann stand mir noch die Mainüberquerung bevor, wenigstens ist es warm in der Tram, bei den Fahrkartenpreisen werden die Wagen sicherlich mit Teakholz beheizt, denn anders lassen sich auch die kontinuierlichen Fahrpreiserhöhungen des RMV nicht erklären.

In Alt-Sachsenhausen, dem Asyl für promilleanfällige Minderbegabte aus dem Umland gibt es immer noch die Old Fashioned Bar und somit die Hoffnung, dass es das Schicksal nicht mit allen gleich schlimm meint. Und auch dieses Mal htte mir das Universum etwas vorbereitet, denn DJ Thommy Rinke, Schallplattenexperte vor dem Herren, hatte hier einen Seven Inch Dancer nach dem anderen auf die Plattenteller gepackt, jede Platte mit einer eigenen Geschichte, fein eingeordnet in Stilistik und beschriftet in archivarer Genauigkeit, und so kam allerlei Feines, vornehmlich aus den Sechzigern (Soul, Jazz, funky Stuff und ähnliches) aus den Lautsprechern, welches vom Publikum dankbar lächelnd betanzt wurde. Und so konnte ich dann, nach einem Schlenker über die Alte Liebe, wo sich die liebe JaMaHa hinter dem Mischpult vergnügte und Laserpointer rauchte, aufmachen zum Elfenbeinturm, denn ich zuhause schläft es sich ja am Besten, ne.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend