Archiv für November 2015

Wochenend – Rückblick 48/49 – 2015

Besuch aus Ljubljana: DJ Woo-D im Tiefengrund
Besuch aus Ljubljana: DJ Woo-D im Tiefengrund

Schon jetzt ist die Zeil noch viel mehr als sonst eine No-Go-Area. Ich mag ja Sätze, in denen sich das Objekt ausschliesst. Grausam viele Menschen drängen sich durch diese unbeschreiblich unschöne Konsummeile, oftmals genauso hässlich wie ihre Primark – Brechtüten. Aber da musste ich durch. Und mein Gast aus Ljubljana. Den hatte ich nämlich zuvor am Bahnhof abgeholt, denn am Abend war es gewünscht, dass der Herr im Tiefengrund auflegt.

Ljubljana ist wunderschön, eine bißchen wie eine Mischung aus Amsterdam und Wien, und auch die Menschen dort gehören zu den Angenehmen. Und so ergab es sich im Verlauf des Flow! – Festivals in eben dieser Stadt, dass ich die hiesige Speerspitze der lokalen DJ – Szene kennengelernt hatte. Und deshalb es ein kausales Ergebnis, dass ich unseren Gast, DJ Woo-D am Hauptbahnhof abgeholt hatte, ihm aber den Weihnachtsmarkt ersparte, gemäss der Prämisse „Chinatown looks everywhere like the same“ (oder so) und erstmal beim Thai Phuket in der Dönerkurve vorm El Dorado Kino verfrühstückte, denn bis zum Udon am Lokalbahnhof wären wir verhungert. Aber in/bei Phuket ist man ja auch immer um das leibliche Wohl seiner Gäste besorgt. Jaja, Thai Imbiss, voll Underground, lästert an dieser Stelle das Wegwerfgehirn. Dann sollte es nicht weiterlesen, denn es wird noch schlimmer.

Mein Gast hatte nämlich einige Thai – Funk – 7″ Singles im Gepäck, und erst beim Udon am Lokalbahnhof war man in der Lage gewesen, die Schrift auf den Plattenlabels zu entziffern und zu übersetzen. Ich mag das ja, dass in Frankfurt so viele Nationen unter einer Dunstglocke leben, deshalb haben diese Naziidioten hier auch keine Chance. Allein schon, dass man sich den ganzen Tag international durchfressen kann, indisch zu thai zu libanesisch zu chinesisch, im Bahnhofsviertel gibt es Restaurants, die kenntnisreich zwischen Süd- und Nordchinessicher Küche zu unterscheiden wissen, neben koreanischen oder pakistanischen Essplätzen, allein schon dafür darf man sich glücklich wähnen, in Frankfurt zu leben. Plus die anderen Vorteile. Gut, der RMV gehört nicht dazu, aber das soll ein anderes Thema sein.

Nach dem thaistücken hatte ich meinen Gast in die „Brücke“ auf einen Espresso bugsiert, erstaunlich, dass hier so viele Reservierungen akzeptiert werden, denn wenn man um 18 Uhr kommt, steht da schon ein Schild mit der Aufschrift „Reserviert ab 21 Uhr“ auf dem Tisch, und auch wenn man nur eine halbe Stunde für ein Heißgetränk bleiben will, demotiviert einen das schon ein wenig. Aber ich mag die Brücke, das Essen ist lecker und tagesaktuell zubereitet, allerdings schweife ich ab.

Nachdem wir uns drei Stunden lang Platten vorgespielt hatten, was Kerle halt so machen, während sie rauchen, begaben wir uns ins Tiefengrund, denn als „The Vinylriders“ hatten wir dort den Samstag unter unsere Kontrolle gerissen. Und nein, das Tiefengrund ist nicht aus allen Nähten geplatzt, weil ja auch viele Frankfurter denken, in irgendwelchen Pseudopuffs läuft ansprechende Musik, jedoch waren genau die Richtigen da und allein schon deshlab ist es der Mühe wert. Boris Szech, Jimmy Jack, Patrick Neuntausend haben ihren Gast Dj Woo-D aus Ljubljana unterstützt, und der Herr, alle Wetter, mixt die 45er wie das himmlische Kind, Hut ab!

Nach dem letzten Kaltgetränk von der Claudi verabschiedet, begaben wir uns, und yes, man weiß ja, wie das endet, in die Barbarossaschänke, wo um die Uhrzeit wenigstens die Wirtin hellwach ist und einem liebevoll mit einem süffisanten Grinsen das frische Blonde unter die Nase schiebt. Aber irgendwann wollte ich wirklich nach Hause, denn mein Gast musste um 16 Uhr zum Hauptbahnhof, und das war kurz nach dem Aufwachen auch wirklich eine Herausforderung! Aber das ist eine andere Geschichte ;-)

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 47/48 – 2015

Maison Mirage avec Psycho-Jones @ Tiefengrund
Maison Mirage avec Psycho-Jones @ Tiefengrund

Ein Glück, dass ich mich nicht mit solchen Sachen wie „Schatz, wir müssen am Samstag einkaufen“ – Kram herumärgern muss. Oder Gedanken daran verschwenden, welche Dekokieselsteinchen zum Tischläufer passen. In dieser Art von Sport bin ich nicht involviert. Und es ist auch nicht sinnvoll, damit anzufangen. Deshalb kann ich mich auch schön draussen herumtreiben. Wie am Samstag zum Beispiel. Natürlich frühstücke ich nicht. Ich setzte mich nicht an einem Frühstückstisch und schmiere mir bäckerfrische Brötchen mit Fruchtmarmelade, während die Kaffeemaschine vor sich hinröchelt. Langsam gebrühter Kaffee schmeckt mir sowieso nicht.
Viel lieber gehe ich samstags nach dem Aufstehen auf den Konstimarkt. Da gibt es alles lecker und frisch direkt vom Erzeuger. Und das Geschirr bleibt sauber. Come on, so ein Bratkartoffelfrühstück ist unschlagbar, gerade wenn man vorher mit einem Kaffee rausgeboxt wurde.

Später ging es dann zu Radio X, denn der Klugschneider und meinereiner hatten uns vorgenommen, die samstägliche „x wie raus“ – Sendung auf Radio X zu moderieren. Das ging auch alles recht flott von der Hand, obwohl man vor dem Samstag schon ein bißchen Bammel hat, denn das ist in Punkto Ausgehen schon der Mastertag. Aber ich glaube, das machen wir nochmal.

Nachdem ich den Klapprechner ins Bett gebracht hatte, begab‘ ich mich zum Aufwärmen ins Feinstaub, wo Madame Angelique und Charlie „The Imperial Sugarhand“ Reichelt CD Player und Plattenteller mit einer kenntnisreichen Musikauswahl fütterten, und das hatte Ihr gut geschmeckt, der Chocolate – Box. Nach einem schönen Plausch begab ich mich über die Strasse zum Tiefengrund, um zum einen mal die Samstagslage auszuchecken, da wir ja als Vinylriders am kommenden Samstag DJ Woo-D aus Ljubljana dort präsentieren und zum anderen, weil ich endlich mal dem Ausnahme DJ „Psycho-Jones“ einen Besuch abstatten wollte, denn schliesslich hiess es „MAISON MIRAGE avec Psycho-Jones“. Unterhalten hatten wir uns schon oft, eine coole Socke indeed und voller Ideen. Seine Auflegeabende dekoriert er liebevoll mit Retrokonsolen (allein 2 Vectrexgeräte hatte ich gesehen), Blink- und Leuchtobjekten, Plüschfellen und allerlei anderen, interessanten Kram, aber auch mit Enterprise- und Star Trek – Aufstellern und Totenköpfen in vielen Variationen, währed der Herr selbst mit Rennfahrermütze im 20er Jahre Stil hinterm Mischpult stand. Musikalisch wird auch hier einiges geboten aus den Bereichen, Disco, Glamrock, Surf, Punk wave und und und, Musik aus Ton-, nicht aus Datenträgern ist hier auch die Prämisse. So langsam füllte sich der Kellerladen und die Stimmung war eine gute. Das war auf jeden Fall ein spaßiger Abend, auch mit lehrreichen Gesprächen über LED – Leuchtleisten und kantiger Musik.

Doch dann stand mir noch die Mainüberquerung bevor, wenigstens ist es warm in der Tram, bei den Fahrkartenpreisen werden die Wagen sicherlich mit Teakholz beheizt, denn anders lassen sich auch die kontinuierlichen Fahrpreiserhöhungen des RMV nicht erklären.

In Alt-Sachsenhausen, dem Asyl für promilleanfällige Minderbegabte aus dem Umland gibt es immer noch die Old Fashioned Bar und somit die Hoffnung, dass es das Schicksal nicht mit allen gleich schlimm meint. Und auch dieses Mal htte mir das Universum etwas vorbereitet, denn DJ Thommy Rinke, Schallplattenexperte vor dem Herren, hatte hier einen Seven Inch Dancer nach dem anderen auf die Plattenteller gepackt, jede Platte mit einer eigenen Geschichte, fein eingeordnet in Stilistik und beschriftet in archivarer Genauigkeit, und so kam allerlei Feines, vornehmlich aus den Sechzigern (Soul, Jazz, funky Stuff und ähnliches) aus den Lautsprechern, welches vom Publikum dankbar lächelnd betanzt wurde. Und so konnte ich dann, nach einem Schlenker über die Alte Liebe, wo sich die liebe JaMaHa hinter dem Mischpult vergnügte und Laserpointer rauchte, aufmachen zum Elfenbeinturm, denn ich zuhause schläft es sich ja am Besten, ne.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 46/47 – 2015

Zuschauen beim konzentrierten Radiomachen - Tag der offenen Tür bei Radio X
Zuschauen beim konzentrierten Radiomachen – Tag der offenen Tür bei Radio X

Der Tage war man schon sehr beschäftigt, zum Beispiel mit dem Planen von Veranstaltungen, so wird am Monatsende ein befreundeter DJ aus Ljubljana das Tiefengrund bespielen, eine neue t.t.t. – Ausgabe will im Dezember stattfinden und ausserdem wollten wir bei „x wie raus“ intern ein wenig umstrukturieren. Plus das übliche Zeug eben, Weltformel, Tindermatches und Kaltgetränkezufuhr. Plus Public Enemy und Prodigy. Dort verteilte ich Flyer und dem einen oder der anderen hätte man mit einem Klaps auf dem Hinterkopf gerne den Tipp mit auf dem Weg gegeben, das nächste Mal doch bitte pünktlich zum Konzert zu erscheinen. Und so hatte ich auf der Galerie eine gute Sicht auf die Dinge, besonders die Lichtshow von The Prodigy war sehenwert, und oben ist der Sound auch besser.

Am Freitag hatten wir schön den Dreikönigskeller bespielt, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Main.Tanz.Kater.“ haben die beiden Hübschen aus der Raumstation, Audrey Horne und Doris Night mit mir unerhörte Lasterlieder gespielt, aber auch Swing, Punk und so Gitarrenkram, zum Beispiel The Riots oder Toxoplasma kamen auf den Plattenteller, denn die beiden hatten mir „Funkverbot“ erteilt, und so musste ich eben anders spielen. No Problem, die Vinylregale sind gut gefüllt, denn nur Nullen haben Festplatten. Und so haben alle auch nach dem Konzert der Münchner Rockcombo „Lovewash“ schön viel Spaß, dort unten „beim Niko“. Das wiederholen wir deshalb auch, und zwar schon kommenden Donnerstag im Tiefengrund. Kost‘ keinen Eintritt, ne!

Am Samstag ging es erst zu den Exzess – Hallen zum Vinylflohmarkt, das sind ja auch so Plätze, die den Laptopabspielern fremd sind, und tatsächlich erstand ich auch ein paar schöne Sachen. Natürlich hatte ich Vollnerd einen tragbaren Plattenspieler dabei, ich kauf‘ ja nicht taub eine Platte, vorbei sind die Disc – Center – Zeiten! Hinterher ging es dann zu Radio X, denn man gab den ersten Tag der offenen Tür in den neuen Hallen, die geneigten Besucher, derer nicht gerade wenig, konnten gleich ganze Blickserien in die neuen Studios werfen, beim Livesendungmachen zuschauen, sich besiebdrucken lassen und mit Sendungsmachern, die auch an diesem Tag zahlreich vertreten waren, ins Gespräch kommen. Customer Relationship Management und so. Da sich das neues Radiodomizil auf mehrere Räume verteilt, war es auch schon so eine Art Entdeckungsreise, gerade auch für die vielen Kleinen, die gleich schon mal zum Anteasern von ihren radiobegisterten Eltern mitgebracht wurden.

Am Abend ging es dann zwecks kultureller Bildung in die Galerie wk16, auf der das Parkhaus „Walter-Kolb-Strasse“ lastet wie ein Briefbeschwerer, denn Dirk Baumanns gab zur Eröffnung seiner Bilderausstellung eine recht provokative Performance, bei der er auch 100% Haut zeigte, naja, 120% mit Penis, und dabei in Frage stellte, ob das nun Kunst sein soll. Dem Jörg hätte es bestimmt auch gefallen, die Zuschauer, mich eingenommen, waren gänzlich begeistert. Mitten in der Performance ist übrigens jemand herausgestapft und meinte unglücklicherweise in einer mucksmäauschenstillen Pause zu seiner Begleitung sinngemäß: „Und weißte, das mein ich mit so komischen Kunstkram…!“. Da mussten einige schon grinsen, ne! Die Bilderausstellung von Dirk Baumanns ist in der wk16 noch bis in den Januar hinein zu bewundern.

Hinterher begab ich mich nach Sachsenhausen, wobei ich ganz vergessen hatte, dass man ja die „Nacht der Clubs“ gab, in der die Einäugigen die Blinden stützten, und schlüpfte in die „Old Fashioned Bar“, die zwar auch bei diesem Treiben mitmischte, aber noch von allem das höchste Erträglichkeitslevel hat, naja, ich bin halt schon gern in der OFBar, ausserdem wollte ich mir mal den Herrn Schimanski anhören. Und ja, der Herr spielte schöne entspannte Elektronik, wobei er späterhin die Schrauben anzog und so den Spannungsbogen weit aufzog. Die Besucher in der proppevollen Bar dankten es ihm mit Fröhlichkeit und wilden Betanzungsorgien. In charmanter Begleitung kam es im Anschluß noch zu einer Unzahl von Scheidebechern in der „Kleinen Hölle“ und in der „Klapper33“ und so wurde der darauffolgende Sonntag ein ruhiger.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 44/45 – 2015

Blümer & Blümer im 3kk - Da wird jeder Titel liebevoll mit Sorgfalt angeklickt
Blümer & Blümer im 3kk – Da wird jeder Titel liebevoll mit Sorgfalt angeklickt

Das war eine Woche. Pickepackevoll. Die Woche jetzt, ne.

Schon am Dienstag ging es mit unserer Literaturrezensionsveranstaltung „Theke. Texte. Temperamente.“ in der Old Fashioned Bar weiter. Das Druckwerk „Anatomie der Wolken“ stieß im Gegensatz zu „Leichen in Größenwahn“ auf wenig Gegenliebe des Moderators Jannis Plastagias und auch des Peotry Slam – Experten Raban Lebeman, so daß die Lektorin Andrea Baron mit ihrer gegensätzlichen Einschätzung allein im Küstennebel stand. Literatur zieht keine Leute? Von wegen! Kaum hatten wir um 20 Uhr den Laden aufgeschlossen, war jeder Platz besetzt, aber unser Publikum ist da ja entspannt und nahm auch dankbar mit Kisten oder den Teppich als Sitzgelegenheit vorlieb, das ist auch so eine Sache, die ich bei unseren Besuchern so mag: Aufgeschlossen mit Interesse an Neuem ohne sich dabei zu verkrampfen. Sehr schön! Ich meine, wir machen das Anfang Dezember nochmal. Natürlich werde ich wieder ein paar Schallplatten beisteuern, damit das Ganze musikalisch nicht so trocken abläuft.

Freitags gig es ins Zoom, zum Konzert der Combo „Schnipo Schranke“, die auszogen, um woanders ihr Glück zu machen. Hatte auch ganz gut geklappt, schliesslich sind sie mit Ihrer aktuellen LP „Satt“ bei Buback Recdords in Hamburch unter Vertrag. An dem Tag hatte ich auch die „xwieraus“ – Sendung bei Radio X moderiert und wollte noch schnell ein Interview mit den MusikerInnen machen, was aber wegen Soundcheck und so nicht geklappt hatte. Macht nix, das war ein Spitzenklassekonzert im Zoom, selten so gelacht. Absichtlich hatte ich mir nicht alle Lieder der aktuellen LP angehört, damit ich mich noch ein wenig auf dem Konzert überraschen lassen konnte. Ich bin vielleicht jetzt auch ein bißchen verliebt. In die Musik natürlich. Überrascht hatte mich auch Mittags übrigens, dass man die Buback – Sachen auf Vinyl im Freebase bekommt, hier schätzt man wohl nicht nur geschmackvolle elektronische Musik, scheint’s.

Hinterher ging es noch in „Wir machen bald zu“ – Keller, der „Einstürzende Neubauten“ – Hacke’s Alexander laß aus seinem aktuellen Buch „Krach – Verzerrte Erinnerungen“, eine sehr lesenswerte Ansammlung von Anekdoten und Geschichten eines bewegten Musikerlebens, geschrieben von einem wirklich coolen Typen, wie ich hinterher feststellen durfte, als wir ein paar Sätze gewechselt hatten. Danach gab es noch Musik aus historischen Klapprechnern mit Blümer & Blümer, da hatten sich Yvette und der Direktor aber auch über jeden einzelnen Titel gefreut, schön war’s.

Dann musste ich aber wieder zurück in den Elfenbeinturm, denn am nächsten Tag haben wir als „Vinylriders“ mit 60s70s FunkSoul – Schallplatten das Tiefengrund unsicher gemacht, was auch recht zuverlässig auf Gegenliebe gestossen ist, aber das, liebe Mädchen und Buben, erzähle ich vielleicht ein andermal!

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend