Archiv für September 2015

Wochenend – Rückblick 39/40 – 2015

Kaozz im Elfer auf der Voltage - Party
Duk dschk, duk dschk, dukduk dschk – den Controller gut ausgereizt: Kaozz im Elfer auf der Voltage – Party

So langsam nimmt das Indoor – Geschäft wieder Fahrt auf, die Läden füllen sich wieder, denn es ist mittlerweile zwar nicht bitterkalt, aber abends wird es schon ein bißchen kühl. Ich freue mich schon auf einen richtigen Winter mit zweistelligen Minustemperaturen und richtig schön viel Schnee. Wehe, es regnet nur die ganze Zeit, dann hau‘ ich dem Winter eins auf die Mütze!

Am Freitag hatte ich schon alles richtig gemacht. Zuerst, nach erfolgreicher Mainäquatorüberquerung, ging es zum Warmtrinken ins Feinstaub, gitarrenlastig kenntnisreich beschallt von den Tob und Buzz Dee, also die kleine Cave – Runde im Feinstaub ;-)
Kann man ja mal machen, allerdings vergesse ich jedesmal, dass am frühen Abend schon mal das Pack vom Friedberger Markt hereingeschneit kommt, rücksichtslose Vollidioten, die sich gerne mal auf fremde Plätze setzen und Stühle und Tische mit Ablagen für ihre High Cost Spastenuniformen verwechseln. Man möchte diese Lemminge am liebsten in die Glauburgstraße schicken, wenn sie durchs Feinstaub irren, auf der Suche nach erlösenden Toiletten, die Blase prallgetrunken mit billigen Mitbringwein vom Discounter, bezahlt aus Prada – Geldbörsen und beäugt durch Designerbrillengestelle, die für sie das Denken übernehmen. Hätte ich größere Füße gehabt, wäre ich gestern bestimmt versehntlich auf einen von denen draufgetreten.

Vielleicht meine ich das auch gar nicht so. Ab und zu muß man auch mal stänkern. Das gehört zum Südmainfrankfurterdasein einfach dazu. Take it or leave it! Auf jeden Fall ging s dann später noch ins Tiefengrund, wo man neuerdings keinen Eintritt nimmt, aber als Gast die Möglichkeit hat, durch den Erwerb eines Brauseuhrenarmbands die DJs finanziell zu unterstützen. Logisch, dass ich eins gekauft habe. Da muss sich noch ein bißchen was ändern, in Frankfurt ist das Kulturschnorren ja en vogue, Hauptsache Spaß gehabt aber nix dafür bezahlt.

Schnipp, Schnapp, Haare ab, sagte sich wohl eines Morgens Heinz Felber, vielleicht auch, damit er sich kopfplantagentechnisch seinem Auflegepartner ein wenig annähern konnte, der ja die Rübe rundgelutscht trägt wie Kojak den Lolli. Diesen Jenen kennt natürlich auch jeder, und so war es nicht verwunderlich, dass Onkel Moschny und „der Heinz“ das (den?) Tiefengrund schon vor der Geisterstunde gut mit feierbereiten Nachtmenschen gefüllt hatten. Von Herrn Felber kann man sich recht gut in längst vergangene Auflegezeiten mitnehmen lassen, er weiß eine Menge Spannendes zu erzählen, erfreulicherweise ohne dieses „Früher war alles besser!“– Gejammer, sondern in wertfreier Retrospektive, auch scheut er als Housepionier nicht die Diskussion über den Begriff Techno, denn ich bin ja kein Anhänger des Mythos, dass der Technomuseum – Talla den Begriff geprägt hatte, indem er ein Plattenfach für elektronische Musik so benannte, denn immerhin kamen ja auch auch Musiker wie die Jungs von Kraftwerk (Techno Pop) oder die Detroiter Producerlegende Juan Atkins (Techno City) schon wesentlich früher auf dieses, sagen wir mal, naheliegende Wortspiel. Aber zurück zum Wesentlichen: Musikalisch ging es bunt gemischt in die Vollen, da bekam man alles, was Spaß machte um die Ohren geklatscht, da konnte es schon mal vorkommen, dass The Prodigy dem Kurt die Schrotflinte aus der Hand schlugen, um dann mit Madonna im Bett zu landen. Das hat natürlich auch den Vorteil, dass man so einen großen Personenkreis glücklich macht, und das hatte dort im Nordendkeller vorzüglich funktioniert. Es müssen ja auch nicht immer Musikspezialistenabende sein, wo sich drei Thekenabhänger darüber beschweren, dass der rare Sixties Track von eben als Reissue auf dem Plattenteller landete. Ich hatte ja schon erwähnt, dass es im Tiefengrund einen extrem guten Sound hat, und die Vinylriders freuen sich auch schon auf ihren Auflegetermin Ende Oktober.

Bevor der Mainzoll wieder dichtmacht bin dann wieder mit der 18 rüber nach Sachsenhausen, denn ich wollte nochmal kurz bei der „VoltageDrum ‚n‘ Bass – Party im Elfer vorbeihuschen. Ausserdem gab es da auch noch ein paar freie Flächen für Aufkleber. Schön aufgescheppert hatte das Voltage – Team, mit einem Umfangreichen Lineup, nämlich mit Nogata, Pasch (bekannt von den Nachtbeben – Parties), Jambo Jambo und Kaozz (iloveu), von dessen Set ich am Meisten mitbekommen hatte und mir ausnahmslos großen Spaß gemacht hatte, aber, wie man an Jungs ansah, hatten die beim Auflegen ebensoviel Spaß gehabt. Die Partyreihe wächst jedes Mal um einige Gäste, wollen wir hoffen, dass sie uns erhalten bleibt, denn die Zahl der entsprechenden Veranstaltungen im Rhein – Main – Gebiet ist sehr, sehr…ähm, übersichtlich. Auch wollte ich nicht unerwähnt lassen, wenn schon die Jungs von der RUFFM – Redaktion von Radio X auf der Tanzfläche zu sichten sind, spricht auch dies für die inhaltliche Qualität der Veranstaltungsreihe!

So darf ein Freitagabend über die Bühne gehen, ein Dreiakter in abwechslungsreichen Facetten, so wünscht man sich das. Das klappt auch im Winter, I promise!

Gehr raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 38/39 – 2015

In musikalischer Verzückung - Boris Szech (Vinylriders) in der Raumstation Rödelheim
In musikalischer Verzückung – DJ Boris Szech (Vinylriders) in der Raumstation Rödelheim

Fasse Dich kurz, sagte meine LCD Armbanduhr. Recht hatte sie, denn nur noch wenige Minuten trennen mich von der Moderation der sonntäglichen „x wie raus“ – Sendung auf Radio X.

Deshalb werde ich alles nur kurz anreißen, so wie man es früher noch mit Metallwerkstücken getan hat.
Am Donnerstag verschlug es mich in die Alte Liebe zu den „Nachnominierten“, und das bedeutete, es gab hier Lyrik in Gedichtform auf die Ohren, aber auch Diskussionen über Lyrik und Gesellschaft, dargeboten von Sarah Schuster, Alexandru Bulucz und Marcus Roloff, von dem wir ja schon in unserer „t.t.t.“ – Rehie die letzte Buchveröffentlichung „Reinzeichnung“ vorgestellt hatten. Ausserdem hatte mir der liebe Jannis Plastargias einige Ausgaben „Frankfurter Verkehrs Literatour“ aus dem Grössenwahn – Verlag mitgebracht, zu der ich auch einige Texte beigesteuert hatte. Jetzt kann das Blaue Sofa zur Bücherschlacht ja kommen! Ein sehr inspirierender Abend indeed!

Freitags zogen wir als „Vinylriders“ in die Old Fashioned Bar ein, Boris Szech und meinereiner, um dort bis tief in die Nacht hinein die Schallplatten auf die Rotoren zu werfen. Ein gemischtes Publikum dankte es uns mit guter Laune, Durstlöschen und Verewigung als Fotomotiv in irgendwelchen Mobiltelefonspeicherchips, das machen wir mitte Oktober wieder, versprochen.

Achso, Samstag mittags war noch Musikerflohmarkt auf dem Batschkappgelände, drinnen und draussen, es gab dieses Mal mehr Schallplatten und viel mehr Synthesizer. Synthesizer sind gut zu den Menschen. Ich mag sie gerne. Wenn also jemand ein analoges Teil im Keller stehen hat, der möge mir unter ptrk9000 ÄT googlemail.com eine Elektrobrieftaube schicken. Nun noch ein wenig ausgeruht und schon ging es flugs in die Raumstation nach Rödelheim, denn Miss Audrey und Doris Night luden zum Tanztreffen ein, und da Boris Szech noch ein paar Tropfen Sprit in der Cessna hatte, begab er sich mit einem gut sortiertem Plattenköfferchen ebenfalls auf die Insel, um zusammen mit den beiden smarten Damen ein wenig am Rad zu drehen. Und da man bis spät in den frühen Morgen tanzte, bin ich nun in der glücklichen Lage, mich ein wenig sputen zu müssen.

Gr,dNis!

//ptrk9000

Wochenend – Rückblick 37/38 – 2015

Horch mal, wer da schraubt - Masters at work beim Soundlab im 3kk
Horch mal, wer da schraubt – Masters at work beim Soundlab im 3kk

Letztes Wochenende war ich irgendwie nicht soviel draussen, was auch der Tatsache geschuldet war, dass ausser dem BrückenwallStrassenfest nicht anderes gewesen ist, was mich interessiert hätte.
Damit das aber hier nicht in so einen Strassenfest – und Fressen – Zyklus ausartet, habe ich mich diese Woche wieder auf dem Weg gemacht, um auch mal was anderes zu sehen. Wobei, es liegt ja auch ein bißchen – nicht – an mir, dass hier langsam das Nachtleben versandet. Wenn aus Nachbarn besorgte Anwohner werden, das konnte man oftmals in der Vergangenheit sehen, haben es die Betreiber nicht einfach. Und das wird sich ja abgeguckt, für den 5 – Minuten – Fame eines Blockwarts, heimlich beäugt hinter zugezogenen Küchenvorhängen, mit einem zimmerwarmen Zuckerkulörbranntwein. Wenn das so weiter geht, wird nur noch privat gefeiert. Das lustige hierbei: Kommt dann die eilig herbeigerufene Polizei, kann man die einfach wieder heimschicken, denn privater Raum darf nicht so einfach betreten werden.

Am Mittwoch lud‘ der umtriebige Elektronikkünstler Siegfried Kärcher seinesgleichen in den kleinen Dreikönigskeller, denn es ward einmal wieder Zeit für eine weitere Folge der Reihe „Soundlab“, dieses mal allerdings mit dem Zusatz „B.Y.O.I. – Bring your Own Instrument“, und dass ließen sich so einige Soundtüftler nicht zweimal sagen. Die Geräte wurden flugs synchronisiert, auch ich steuerte einen kleinen, modifizierten Korg Monotribe bei, und nach einem Konzertteil wurde ausgiebig gejammt, wobei jeder der Künstler eines seiner Geräte vorstellte. Wie mir schon die Jazz – Nachtigall Nashi Young Choe empfahl, mich dorthin zu begeben, wo die Menschen meine Interessen auch verstehen, wurde hier also ausgiebig über Oszillatoren, Filter und Modifikationen diskutiert, denn wenn man schon mal einen Hornet (EMS Nachbau mit allen bekannten Modifikationen) oder auch diverse selbstgebaute Synthesizer vor den Nase hat, lässt man sich diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Das war ein schöner Abend im 3Königskeller, und vielleicht sollte man die Gelegenheit nutzen, dem Keller nochmal einen Besuch abzustatten, denn in den Sternen steht geschrieben, dass uns der Laden vielleicht nicht mehr allzu lange liebevoll begleiten wird. Vielleicht steht in den Sternen auch nur dummes Zeug, fragt doch mal nach, dort, bei einem Kaltgetränk, versteht sich!

Freitags begab ich mich erstmal ins nun schon 10jährige Bett zu den „Whiskeydenker„n und zu „Mardigrass.BB“, denn diese beiden aussergewöhnlich guten Brass – Bands auf einen Schlag zu hören, ist ansonsten nahezu unmöglich. Während die Denker mit rotzigem Swing das gut gelaunte Konzertvolk beschrammelten, kamen die BBs mit Barbara Lahr um die Ecke, die unter anderem durch ihre Zusammenarbeit mit (hört hört) De Phazz keine Unbekannte mehr ist. Das hieß zum einem eine gesanglich ansprechende, aber sensible Performance, und zum anderen eine Bühne voller Blechinstrumente, und wenn ich sage, die Junges kamen um die Ecke, dann hat das auch ein Bewandtnis: Zu Beginn ihres Auftritts zieht die Combo nämlich von drausen in die Halle ein, ein bunter musikalischer Zug, der das Publikum an den Ohren mit in die Halle schleift, um dort zusammen mit den Gästen einen ausgelassenen Abend zu verbringen. Zum Ende des Konzertes wird im Übrigen in umgekehrter Reihenfolge verfahren, aber nicht, ohne sich vorher mit dem Publikum in der Hallenmitte zu versammeln und alles zu geben, was so in den Instrumenten steckt. Und da geht einiges, alter Trompeter!

Letzten Donnerstag war ich mal wieder Komparse bei einem Tatort – Dreh, und da hatte mir ein Kollege geflüstert, dass ja Onkel Alex und Onkel Tamo das Tiefengrund aufgepimpt haben. Mir war schon klar, dass die Beiden in einem, sagen wir mal, iterativen Prozeß, ständig um eine Verbesserung ihrer Läden bemüht sind, sind sie ja nicht nur Betreiber, sonders selbst auch ausgefreudige DJs, die dadurch die Geschehnisse von beiden Seiten der Theke aus beurteilen können. Es gibt ja auch andere, die machen einfach mal nichts und geben dafür anderen die Schuld. Aber nicht so die Beiden, denn da wurden auch schon lange Diskussionen vorm Feinstaub geführt, wie & was und weshalb. In Kürze: Der Laden ist nun kein Club mehr, in dem man herumsteht, nein, es gibt nun überall Sessel, Tische und Stühle, die zum flezen einladen, aber dennoch eine Tanzfläche, und ja, es darf geraucht werden! Darüber hinaus hat man technisch und in enger Zusammenarbeit mit den Nachbarn profund am Sound getüftelt, der nun doch um einiges lauter daherkommt, aber einem trotzdem nicht die Ohren aus dem Schädel pustet. Man arbeitet wohl hier mit diversen Kompressionsvarianten und darüberhinaus, was ich sehr klug finde, steuert man auch Lautsprecherpaare getrennt an, so dass man die Lautstärke den entsprechenden Bereichen anpassen kann. Musikalisch gut aufghoben waren wir mit den Trashedelic Idiots, bestehend aus Der Dude, Tom, Alex & Tamo allemal, und so gab es nach der Beschreibung der Veranstaltung Indierock, Sixties, Alternative, Soul, Ska, Punk auf die Mütze, aber: Ich hatte auch einiges von „The Prodigy“ gehört, aber man kann ja auch die Leute schon mal langfristig auf kommende Konzertereignisse in Frankfurt vorbereiten :-) Darüber hinaus sollte auch noch angemerkt werden, dass einem „die“ Claudi und „der“ Timo hinter der Theke auch nicht verdursten lassen!

Das wurde jetzt doch ein wenig länger, aber dennoch komme ich noch rechtzeitig zu Radio X, denn „x wie raus“ mag moderiert werden. Und hinterher geh‘ ich mal Tatort gucken.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend