Archiv für Juni 2015

Wochenend – Rückblick 25/26 – 2015

Tighten Up im Dreikönigskeller
Tighten Up im Dreigenerationenkeller: DJ Ed Fothergill, DJ Elviz, DJ Ole Heidkamp

Once again back is the incredible. Letzte Woche war leider nicht ich in der Stadt am Meer zugange, sondern fast in ebensolcher, nämlich in Hamburg. Das meiste davon hätte ich mir gerne erspart, denn manchmal flatuliert Amor den Menschen in den Kopf und damit muss man sich dann herumärgern. Und so kam es, nicht gerade die schlechteste Ausgangssituation der Welt, dass ich mir die Nacht von Samstag auf Sonntag in St.Pauli um die Ohren schlagen musste. Nutten, Alk und Bars – ich höre schon die Tränen des Mitgefühls kullern. Den Abend am Besten verbrachte ich dort zu guter Letzt in der Komet Bar, ein kleiner Sixties Laden, mit Vinyl-DJs, rauchen und Astra, denn eins habe ich gelernt: Astra macht belastbar – und – Woanders wohnen auch nur Bekloppte.

Und so konnte ich, um einige Erfahrungen und Geschichten reicher, am letzten Freitag mir mal schön die Stories anderer in englischer Sprache anhören, denn der knuffige Julius Carter rief in die Old Fashioned Bar zum „FFM Comedy Slam“. Ich meine darüber schon mal dezent berichtet zu haben, deshalb in Kürze: Bei diesen Stand-Up Comedy – Contest treten die Kandidaten in englischer Sprache gegeneinander an, und am Ende entscheidet das Publikum, wer gewinnt. Es winken natürlich Ruhm und Ehre, aber auch freie Getränke. Das kann man ja mal machen, ne. Zumal man sich in der Old Fashioned sicher fühlen kann, ein Auge im Orkan des Feierabraums. Wobei, ich werde nicht mehr dazu äussern, wie schlimm es manchmal dort nachts zugeht, dort in Alt-Sachs, denn ich hab‘ nachts die Reeperbahn gesehn. In voller Aktion. Brauchste nix mehr!

Am Samstag wollte ich nicht demonstrieren gehen, ich war die letzten paar Mal schon gewesen, und man muss die Gefahr ja nicht herausfordern, von einem wetterfühligen Polizisten in der Midlifecrises auf die Schnauze zu bekommen, nur weil man gerade güstig steht. Also war ich mal, hey underground und so, auf dem Schweizer Strassenfest, nur mal kurz, und Baby, es war okay. Überraschenderweise wird man nicht taubbeschallt wie beim Berger Strassenfest, und auch wenn ich es nicht glauben will, dass Erdbeerbowle ein lokales Traditionsgetränk ist, wenn man das aufgrund der Anzahl der Verkaufsstände daraus schliessen wollte, war doch ziemlich viel lokale Szene vertreten. Ich weiß allerdings nicht, wie es sich zu den Abendstunden verhalten hatte, wie stark die Zerfeiertheit schon fortgeschritten war, dort im Sachsenhäuser Taunus.

Abend ging ich den golden Circle ab, der geübte Isländer weiß genau wovon ich spreche, zuerst ins Neglected Grassland mit geänderter Führung, wo Sherm da Worm und Chris Neal in die Funkplattenkiste gegriffen haben und wo es später noch richtig gut zur Sache ging, um dann später über den Eisernen Steg mit diesen unsagbar hässlichen Schlössern im Dreikönigskeller zu landen. Bis unter die Decke hatten sie sich dort auch nicht gestapelt, die Musikexperten, denn die standen ja schon zu dritt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Tighten up – Kickin‘ Club for Modernists“ hinter den Plattenspielern. Und die liessen die 60s Seven Inches natürlich niedrig fliegen, die Herren Ed Fothergill, DJ – Legende indeed, sowie DJ Elviz, DJ Legende i.G., sowie DJ Ole Heidkamp, DJ – Legenden – Azubi, musikalich gesehen war das schon eine spaßige Angelegenheit.

Also bin ich nochmal ‚rübergemacht in die Old Fashioned, es war zwar keine Auflegeaction, aber trotzdem einiges los rund um das gekühlte Getränk, natürlich kenntnisreich zubereitet und charmant angereicht, ein Traum. Mit traumwandlerischer Zielstrebigkeit zog ich nochmal über die St Clichy – Bar, wo der liebe Nico Willius House mit dezenten Vocaleinsätzen auflegte und sich die Buntmenschen knäulten, denn betreibermässiges Frischblut führt oftmals zu willkommenen Neuerungen, wie geänderte Öffnungszeiten oder neues Aussenmobilar oder auch ein modifiziertes Angebot, was vom Publikum durchaus dankbar angenommen wurde.

Den Scheidebecher nahm ich dann in der neuen Alten Liebe am Lokalbahnhof, die liegt dort gefährlich gut auf dem Weg, das wird noch lustig, I swear! Und so war ich dann irgendwann in Sicherheit, im Elfenbeinturm, der macht ja auch mehr Spaß als die Elbphilharmonie.
Aber das ist auch nur eine unbewiesene Behauptung. Besser als eine bewiesene Enthauptung! Egal, ich schweife ab! Schluß jetzt!

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

PS: Nicht vergessen! Wir haben am Dienstag einen Termin!
https://www.facebook.com/events/755286961255825/

Wochenend – Rückblick 23/24 – 2015

Die wilden 80er: Betty Stürmer im 3kk zwischen Mikro und Mischpult
Die wilden 80er: Betty Stürmer im 3kk zwischen Mikro und Mischpult

Nun habe ich auch endlich wieder Zeit, etwas zu schreiben. War ja an den letzten Wochenenden etwas mau gewesen, zumal mir auch nicht so nach Ausgehen zumute war. Aber nun ist die Sonne über, der Main neben und das Gerippte bereits in uns, so lässt sich Biographie in Würde verleben.

Mit der Sonne kommen die verspäteten Frühlingsgefühle und damit kriechen sie aus den Löchern, die Phosphormenschen mit den kalten Füßen. Schnell verliebt und doch flugs den Schuh gemacht und zwischenzeitlich mit unheimlicher Geschwindigkeit abgebrannt, so sind sie. Passiert jedem mal, also Kopf hoch, Tinder löschen und sich an den Main setzen, während man den Flaschensammlern Pfand neben die Tonne stellt, Frankfurt ist eben nicht die Stadt der Liebe.

Auch das Ordnungsamt, liebe Freunde, wurde allen Anschein nach von der Sonne wachgeküsst und hefte sich den Sheriffstern an die Brust, um sich in fröhlicher Runde den Butzenbetreibern dieser Stadt in Erinnerung zu rufen. Keinesfalls sollte man also in Alt-Sachsenhausen die Kneipenfenster nach 22 Uhr öffnen, und auch die Leute, die man zum Rauchen auf die Straße schickte, sollen das doch bitte in schweigender Demut tun. Nun, wenn das Dorf in die Stadt zieht, und noch mehr Nachbarn zu Anwohnern werden, könnte das noch interessant werden, denn ein bunter Stadtteil richtet sich in Punkto Turbulenz sicherlich nicht nach der Taschenuhr einiger weniger, hier fehlt es leider an Verhältnismäßigkeit.

Aber das Thema wollte ich nur am Rande anknabbern, denn der viel interessantere Keks war ja die Neueröffnung der Alten Liebe am Lokalbahnhof in den Räumlichkeiten der ehemaligen Pizzeria „La Rosa 2″ // „Zwiwwel“ // „Legends“ und wie auch immer die ganzen Namen lauteten. Am letzten Mittwoch war es dann soweit, die rote Mustertapete wurde gerade noch rechtzeitig angetackert und schon ging es los. Der Wechsel bescherte mir einige schmerzvolle Wochen ohne Aussenwohnzimmer, und auch der Umzug ging wohl nicht ohne einige personelle Reibungsverluste vonstatten, was mir für die betroffenen Leute echt leid tut.

Am Eröffnungsabend sorgten in dem angenehm mit dunkeln Holz ausgetäfelten Laden der liebe Jake Walk nebst smarter Nora für die kenntnisreiche muskalische Beschallung aus den Bereichen Sixties Funk & Soul, Swing und Artverwandtem, während die Leute nicht nur den gesamten Bürgersteig vor der Lokalität sondern auch gefühlt bis zum Südbahnhof standen. War ja klar, jeder kommt an solchen Abenden zum Gucken, und traditionell soll es auch am Eröffnungsabend Probleme mit der Anlage gegeben haben. Also alles in Butter. Findige Flaschensammler machten sich übrigens den Umstand der Überfüllung zunutze und stibitzen insgesamt mehrere Kisten Leergut, wie man so hört. Ich kann mich allerdings auch verhört haben. Der traurige Wirt wird es gelassen nehmen, in seiner neuen, Alten Liebe.

Am Samstag, das muss noch erwähnt werden, hatte ich die seltene Gelegenheit, Einblick in die Berliner Szene der 80er sowie der frühen 90er Jahre zu gewinnen, den Termin hatte ich mir vorsorglich schon vorher hinter die Ohren geschrieben. Im Dreikönigskeller trug nämlich Betty Stürmer autobiografische Texte aus ihrem Skript zum neuen Buch “Szenegirl 1984–2002“ vor. Betty hatte sich als Künstlerin im Umfeld des Fischbüros eben zu dieser Zeit durch das nächtliche Berlin geschlagen und garnierte ihre Texte mit passender Musik, Vinyl natürlich zwischen Humpe, Techno und Breakbeat, während man dazu Kunstwerke aus der aktuellen Schablonendruckserie „andy for the poor“ (sehr schön, hehe!) bewundern und auch käuflich erwerben konnte. Im Moment häufen sich die Interessanten Abende im 3kk, ich hoffe doch, das bleibt so, auch wenn an dieses Mal „die Menschen“ wohl doch lieber draussen im eigenen Saft schmoren wollten und nicht in Massen in den kleinen Keller strömten. Selbst Schuld, schön was verpasst!

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend