Archiv für Mai 2015

Wochenend – Rückblick 20/21 – 2015

Stop, Look and Listen - Robert
Stop, Look and Listen – Robert „Jazzmadass“ Lochmann in der Old Fashioned Bar oder Musikalischer Lichtblick an einem trüben Freitagabend

Na endlich wird es Sommer, die Sonne traut sich zwar noch nicht ganz so mutig vor die Hütte, aber das wird schon, Baby! Nun ist es an der Zeit, am Mainufer herumzulümmeln und buntig schöne Hawaiihemden aus der Sommerkiste zu holen, damit sie meinen Astralkörper mit erhabener Farbigkeit umschmeicheln mögen, denn schliesslich hat man sich ja nichts zu beweisen.

Natürlich schaut man da auch mal am Maincafe vorbei, und es sollte einen nicht wundern, wenn bei Sonnenschein 20000 andere Leute auf die gleiche grandiose Idee kommen. Da muss man eben auch mal Geduld oder Kaltgetränke von zuhause mitbringen, ne.

Diverse Abende hatte ich auch im Neglected Grassland zugebracht aber auch anderes getan, zum Beispiel im Licht- und Luftbad andere Laubfresser am Montag zum veganen Grilen getroffen. Das war wirklich nett, habe ich doch viele neue Leute kennengelernt, die sich nicht unbedingt alle in den gleichen Läden herumdrücken und dieses Veganerding war eigentlich aussen vor, denn es war ja klar, wer sich so trifft. Ich finde diesen Bekehrungsfanatismus sowieso furchtbar, deshalb bin ich immer ganz froh, wenn ich nicht in Tierprodukt – Diskussionen hineingerate, denn meistens findet sich hier kein Konsens. Organisiert hatte das Ganze übrigens dankenswerterweise „Fran Cis Vega Gnoppo“, der sicherlich im richtigen Leben ebenfalls so heisst, cooler Typ indeed, und auch ansonsten schwer zu übersehen ist.

Im Moment muss mangelt es mir wirklich an einer wohnzimmerartigen Lokation, ausser ins Old Fashioned kann man ja in Alt-Sax fast nirgendwo hingehen, wobei, nur Jammern bringt ja auch nichts. Es gibt allerdings interessante Details zu berichten, zum Beispiel befinden sich die besten Parkplätze in Altsachs direkt in zweiter Reihe vor der Dönerkurve, kostenfrei, versteht sich. Diverse Polizisten überwachen übrigens die andere Strassenseite, dem Wagen solte also nichts geschehen. Und man kann die ganze Nacht am Kiosk Nudeln einkaufen. Kommt schon, ist das nichts?

Nun, dachte ich mir am Freitagabend kurz vor Mitternacht, dann begeben wir uns nochmal kurz in die Old Fashioned Bar, Robert „Jazzmadass“ Lochmann (Jazz 91,8auf Radio X) hinter dem Mischpult versprach Hörenswertes aus den Bereichen Jazz und Elektronik, die Bar war nicht überfüllt, weil die Hirntoten meist draussen am Laden vorbeikriechen und die Cocktails waren ausgesprochen lecker. So konnte ich immerhin aus dem Freitagabend noch etwas erstrebenswertes machen, nämlich nobel existieren, tolle Gespräche führen und den Gedankenmüll im Kopf auf die Gedankenmüllhalde kippen.

Den Samstag ließ ich mit nobler Geste verstreichen wie warme Butter, denn der Hawaiihemdjüngling wusste genau: Er wird an dieser Stelle nichts verpassen! Und so ging es am Sonntag kurz nach dem Frühstücken (vegan) erstmal zu Radio X und dann noch ein bißchen an den Main, bevor der auch noch zumacht.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 19/20 – 2015

Frank Rox in der Sullivan Bar am 08 Mai 2015
Alles klar am DJ – Cockpit: Frank Rox in der Sullivan Bar

Donnerstags ging es, wie so oft, ins Neglected Grassland, denn draussen, aber Innen zeigten die Railslide Gang zwei Filmchen, zum einen ein gekonntes Portrait von und über den Skater Marlon Schollmeier und darüber hinaus hatte der eigens vom Skateschlappenschneider Vans produzierte Film „Propeller“ an diesem Abend seine Frankfurter Premiere. Und was soll man sagen: Im Handumdrehen war der gesamte Innenhof voller Rollbrettmenschen, und während der Filme entfuhr einigen schon ab und an bei besonders dramatischen Manövern ein ehrfürchtiges „Uaah!“, und sogar ich war ob der gezeigten Skateakrobatik schon sehr eingenommen vom Gezeigten, Hut ab, alter Vadder! So konnte man den Donnerstagabend auch mal schön verbringen, gerade, wenn alles so gut gepasst hat. Dafür kann man sich schon mal bei den Railslide – Jungs bedanken, ne!

Auch am Freitagabend zog es mich in die gleiche Ecke, denn auch dieses Mal schaut eich in der Sullivan – Bar vorbei, denn Frank Rox stand dort hinter den Decks und außerdem haben sie dort einen blitzschnellen Service, der einem mit einem Lächeln den Schoppen anträgt, was will man mehr? Gut, nicht jedes Publikum muß gekonnt wegignoriert werden, aber zum Beispiel zigarrerauchende Pennäler oder Minimädchen auf Bankerfang, da richte man seinen Fokus dann doch lieber auf das Wesentliche. Was war das doch gleich? Richtig: Musik und Kaltgetränke.

Vom Sullivan ging es für mich nochmals ins Neglected Grassland, denn auch Neues will von mir gehört werden. Julius Abel, Oskar & Karl sowie Sosoniic luden zur „Breadmaker Night“, und Breadmaker ist, wie es sich selbst nennt, „an independent Record Label“. Zuallervorderst dachte ich, die Jungs, die sich im Gespräch als sehr freundlich, aufgeschlossen und angenehm erwiesen, veröffentlichen ausschliesslich elektronische Tanzmusik, da das Set, soweit, wie ich es gehört hatte, zum Großteil aus deepen House mit melodischen Ansätzen bestand. Aber ein Ohr auf der Webseite http://www.breadmaker.eu offenbarte, dass hier auch recht poppige Releases und auch Gitarrenmusik veröffentlicht werden. Ein breites Spektrum guten Geschmacks tut sich hier auf, ich werde das mal weiter im Gehörgang behalten. Ein wenig angetüddelt ging es dann nach Hause, ich wollte ja mal ein wenig früher schlafen gehen, denn am nächsten Tag wartete der Musikerflohmarkt auf dem Batschkapp – Gelände. Aber dieses mal hatte ich keinen eigenen Fress-Stand im Sinn, sondern, ich wollte ein paar Vinyschüsseln verkaufen. Die Schüsseln bestehen aus mir unbeliebt gewordenen Schallplatten, die unter Hitzeeinwirkung zu Schalen oder unregelmäßigen Gefäßen verformt wurden.
Leider lief der Verkauf nicht so besonders gut, was sicherlich an auch der Tasache lag, dass zu 98% nur Typen da waren, die ja meistens nicht unbedingt auf ästhetische Aspekte anspringen und nur im Kleinhirn-Gegenstands-Recognition-Mode unterwegs sind. Das funktioniert in etwa so: Der Gegenstand wird in die Hand genommen, dann wird erkannt, um was es sich handelt, eine Art kausaler Erkärungsversuch läuft im Kopf ab, und nach Klärung des Ablaufes wird der Gegenstand wieder zurückgelegt, meistens um nochmals einer unspezifischen Ansprechperson das Ergebnis verbal mitzuteilen: „Eine Schallplatte!“. Na, aber nicht weiter Schlimm, dann verklopp‘ ich den Kram eben beim nächsten Mal. Leider habe ich keinen Enhancer gefunden, da muss ich wohl doch das Internet bemühen. Ausserdem finde ich den Flohmarkt überhaupt zu gitarrenlastig, wir wollten schon sammeln und einige der meistbespielten Gitarrenverstärker des Marktes aufkaufen und öffentlich verbrennen, weil das iterative Gitarrengekreische schon nach ein paar Stunden ziemlich nerven kann, gerade, wenn einem doch eher nach Funk oder elektronischer Musik ist. Da ist die Synthesizer- und Studiofraktion deutlich unterrepräsentiert, das muss sich beim nächsten Mal aber radikal ändern! Genau! Aber trotzdem war es ein interessanter Samstagnachmittag, auch wenn ich es erst recht spät zum Konstimarkt geschafft hatte.

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 18/19 – 2015

Die Beats im Griff: Francois Bresenz & El Marco im Neglected Grassland
Die Beats im Griff: Francois Bresenz & El Marco im Neglected Grassland

Da wäre er auch vorbei, der Tag der Arbeit, der Tanz in den Mai, der vergnügliche Reigen in die Sommerzeit des Jahres.
Alles Käse. In meiner Kindheit waren erste Mai – Ausflüge stets qualvolle Radtouren am Mainufer entlang, zu einem Zeitpunkt, zu dem jeder andere Langsamdenker ebenfalls seinen Drahtesel von einer dicken Schicht Winterstaub befreite um am Main entlangzugondeln. Zum Glück war ja dieses Jahr das Wetter ein Mistiges, und so blieb vielen Kindern im Main- Kinzig – Kreis dieses zweifelhafte Vergnügen erspart. Zu keinem anderen Zeitpunkt des Jahres musste ich mir als kleiner Beau qualvoller eine Tüte Eis verdienen als zu diesen Radtouren nach Seligenstadt, die ich dafür hasse, obwohl sie nichts dafür kann. Aber das ist nochmals eine andere Geschichte.

Jedenfalls habe ich immer den Eindruck, solche langen Wochenenden überfordern die Frankfurter. Da wird am ersten Tag auf den Tischen getanzt und während des Restwochenendes hält man sich die Banatzel, von wegen Kopfaua und so. Nicht mal eine zünftige Demonstration gibt es zum ersten Mai, und so müssen die Menschen zum Polizistenhauen nach Berlin oder Hamburg ausweichen. Dabei hatten die Meisten schon ganz gut geübt im März. Natürlich ist sowas nicht gut, ich muß das jetzt doof finden, sonst hagelt es wieder Beschwerden. Aber mal ganz ehrlich, was ist denn da los in Frankfurt ausser nix?

Wir waren als „Vinylriders“ – DJ Team in der Old Fashioned Bar am Donnerstagabend zugange, ein kurzfristiger Termin indeed, denn eigentlich wollte ich bei dieser „Tanz in den Mai“ – Nummer nicht mitmachen. Dann muss man sich immer so einen tollen Veranstaltungstext aus den Fingern saugen, warum man so ein famoser DJ ist und warum die musikalische Auswahl eine Besondere ist etc pp. Ich kenne ja auch genug Schallplattenalleinunterhalter, die spielen nur Mist und die Leute rennen trotzdem hin. Oftmals wohl ein beidseitiges Defizit, dass dann zur Interferenz führt. Nicht so am Donnerstagabend im Auge des Orkans, denn Boris Szech und Patrick Neuntausend hatten die Bar voller feierbereiter Maischwärmer, und so flogen die Platten niedrig, geboten wurde zwischen 60s Funk und Jazz, Käptn Peng, Deichkind und Kurtis Blow so Einiges, und so wurde der Abend ein Guter bis tief in die Nacht. Und ja, im Bezug auf meine vorhergehenden Absätze, nicht alles muß man doof finden, aber auch nicht alles gut, ne!

Der letzte Freitag war grausam tot, und deshalb drücke ich hier mal die Skip Taste. Achso, die Alte Liebe hat dichtgemacht, auch so ein Mist, wenn man sein Wohnzimmer verliert, wobei da auch der Eine und die Andere wohl Federn lassen mussten. Neu aufmachen wird der Laden gegen Juni direkt am Lokalbahnhof, ich hoffe mal, man wird Maßnahmen treffen, dass nicht jeder Junggesellenabschied und jeder vollgesoffene Wetteraubub direkt von der S-Bahn in den Laden fällt. In dieser Lage ist der „Psst“– Faktor natürlich erstmal weg.

Der Samstag war schon ein wenig besser, denn Zuallervorderst begab ich ich mich ins „saasfee* pavillion“ zur Newmen – EP Release – Party (Quick Million), eine Post Garage / Neo Wave – Band aus lokalen Gefilden, die nicht nur mir, sondern auch den vielen anderen Gästen, die den Laden bis unter die Decke füllten, gehörig Spaß bereiteten. Die Jungs mischten gekonnt gitarrenlastige Titel mit tanzbaren Beats und den Klang analoger Synthesizer (Ich mag ja den Juno106, den MS10 und den Polysix), die sie kenntnisreich arrangiert zu kleinen Tanzbomben umfunktionierten und liebevoll auf der Bühne detonieren liessen. DJ-mäßig umrahmt wurde das Konzert von den DJs Aprill & Martin Heimann. Aber ein bißchen affig fand ich die Taschenkontrolle beim Einlass, um sicherzustellen, dass man nicht unerlaubt Getränke mit auf die Veranstaltung bringt, zumal die Getränkepreise im Inneren schon sehr studentenfreundlich gestaltet waren. Eigentlich habe ich keine Lust, mir von irgendwelchen dahergelaufenen Heinis in die Taschen schauen zu lassen, die dann auch noch meinen, mir etwas vermeintlich Schlaues dazu mit auf den Weg geben zu müssen, weil ich eine angebrochene Flasche mit ca 200ml Wasser bei mir habe. Das nächste Mal werde ich mir das auch Sparen! Hinterher ging es nochmal schnell zu Nicole und Hans ins Neglected Grassland, auch dort steppte die Mainkuh zur Musik von Francois Bresenz & El Marco, Manzuela, Otto und MIGOTO, die gekonnt im Rahmen Ihrer Reihe „Spiel mit mir #8“ in die elektronische Trickkiste griffen und den Laden zum Kochen brachten. So konnte doch der Samstag auch zur Neige gehen, das war ein grandioser Spaß!

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend