Archiv für April 2015

Wochenend – Rückblick 16/17 – 2015

Ran an die Filter: Feldrauschen David und Patrick Neuntausend beim Electronic Beat Battle im Orange Peel
Ran an die Filter: Feldrauschen David und Patrick Neuntausend beim Electronic Beat Battle im Orange Peel // Photo: Siegfried Kärcher

Na, endlich wird es warm. Endlich wieder an den Hotspots draussen sitzen und Kaltgetränke in sich hineinstürzen, auf die man gefühlte Stunden seit der Bestellung gewartet hatte und einem von einer untalentierten Gastroirgendwas angetragen werden. Das ist ja das Schöne an Frankfurt, diese Dinge ändern sich nie. Doch aufgemerkt, manchmal muss man diese Dinge doch hinterfragen. So manche Butzenbetreiber sparen gerne am Personal, damit das Geld den eigenen Seckel fülle, so dass der Betreunungsschlüssel schlechter ist als bei einem Musikinstrumentegroßkaufhaus an einem Samstag vormittag. Und das Beste, und da fragt man sich schon, wie man damit durchkommen kann: Viele bezahlen ihrem Personal noch nicht mal den Mindestlohn und behaupten, die Differenz werde durch das Trinkgeld aufgestockt. Das ist moralisch verwerflich und natürlich verboten. Aber die Schlauen sterben ja nicht aus, und ab und zu muß auch mal hinterfragt werden, ob man sowas überhaupt unterstüzem möchte. Bestimmte Läden meide ich deshalb, weil ich es nicht einsehe, dass die Leut‘ auf so niedrigem Niveau abgezogen werden. Ansonsten gilt ja: Wenn doch die Bewirtung gefällt, zum Glück überwiegen ja die positiven Beispiele, dann gebe man Trinkgeld, liebevoll „Tip“ genannt und lobe die Dinge, die einem gefallen haben. Denn merke: Tip ist keine Stadt in China.

Donnerstags begab ich mich ins „Orange Peel“, denn Jürgen Klumpe hatte, traditionell im Windschatten der Musikmesse, wenn soweiso alle da sind, die Rang und Namen haben, zum alljährlichen „Electronic BeatBattle 2015“ aufgerufen. Diesem Aufruf folgten eine Menge elektronischer Musikproduzenten, um innerhalb eines kurzen Zeitfensters mit minimalem Setup im Wettbewerb mit den anderen Musikern zu stehen. Dafür hatte jeder 10 Minuten Zeit, und die Gewinner der jeweiligen Vorrunden traten am Ende noch einmal gegeneinander an, um den „Gewinner“ zu ermitteln. Dabei gab es Teilnehmer mit oldschool – Waffen wie der Roland TR808 (James Dean Brown), ein Duo mit E-Gitarre, Effektgerät und- sehr interessant- einer Schreibmaschine als Tonerzeuger (Wild & Michaelis), Frankfurter Heros wie zum Beispiel Siegfried Kärcher mit einem Quasimidi Sirius, Feldrauschen David mit einer Octratrack (Noch einer aus der Schaubar-Zeit, sehr schön!) und natürlich Rainer Guba mit einer MPC1000, um nur Einige zu nennen. Achso, ich hatte mich auch mal getraut, und nahm ebenfalls an dem Wettbewerb mit einem modifizierten Korg Monotribe (2. Oszillator, SD und BD Decay Mod.) teil. „Gewonnen“ hatten übrigens die Jungs mit der Schreibmaschine, was auch mal wieder zeigt, dass es einfach mal eine gute Idee sein kann, die überzeugt. Aber so ganz bierernst ging es hierbei nicht zur Sache, denn es ging eher um das Treffen, das Zuschauen, und auf jeden Fall ums Musikzieren, nicht ums Ranking. Das hatte allen sichtlich Spaß gemacht, im Orange Peel, auch wenn Mehran schon manchmal der Schweiß auf der Stirn stand, denn die kleinen Tonerzeuger haben es schon mal in sich. Ach, nicht zu vergessen an dieser Stelle, denn das war auch in der Geschichte des ElectronicBeat Battles eher ungewöhnlich, war die Künstlerin „Projektionista“, die nämlich live zu ihrem Setup gesungen hatte, wobei, ich meine, „Abelha Supersonica“ habe ihrerseits ebenso zum Mikrophon gegriffen. Bevor ich mich jetzt verzettel, laß ich lieber diesbezüglich meine Quantisierungswurstfinger von der Tastatur. Da mache ich auf jeden Fall wieder mit, vielleicht mit einem russischen Drumsynthesizer, wennn ich endlich die Triggerung fertig gebaut habe.

Ach, was soll der Geiz, hier ist die komplette Teilnehmerliste, entnommen aus dem vorläufigen Lineup, ich meine, es wäre nicht alle erschienen:

James Dean Brown (Roland 808)
Wild&Michaelis (Typewriter + T-Resonator)
Guba (MPC 1000)
Abelha Supersonica
ZID (t.b.c.)
vangeemusic (machinedrum)
Zarkov (MPC 2000XL)
Alphasphere Werksteam
Rick Dangerous
Arkaei
Kurt Poggeldy (Machinedrum)
Siegfried Kärcher (Quasimidi Sirius)
Ptrk 9000
nerdsynth Werksteam (Prototyp)
Feldrauschen David (Octatrack)
Projektionista

Wir sehen uns am Donnerstag bei „Theke. Texte. Temperamente.“ im Neglected Grassland, ne! Wir werden uns über Michel Houellebecq hermachen! Link:
https://www.facebook.com/events/1557954571158512/

Geht raus, die Nacht ist schön!

//Patrick Neuntausend

Wochenend – Rückblick 15/16 – 2015

Klänge aus Dosen, Delay und Digitalem: Siegfried Kärcher live im 3KK.
Klänge aus Dosen, Delay und Digitalem: Siegfried Kärcher live im 3KK.

Das Leben in digitalen Netzwerken, ist, auch wenn man sie gerne „sozial“ nennt, meist alles andere als dies. Was meist als eine harmlose Diskussion beginnt, endet meist in einer Schlammschlacht, oftmals initiiert von streichholzarmigen, blassen Teiglingen im Schutze ihrer Tastaturen und mit einer schriftlichen Großmäuligkeit, die zumindest den Schutz der Roten Armee vermuten lässt. Da werden politische, ethische und moralische Einstellungen mit dem Messer verteidigt, während andere sich zurücklehnen und das Ganze mit einer Tüte Popcorn aus der Ferne verfolgen. Ob das Türeaufhalten bereits Mainstreamgenderbased Sexism ist, Ukraine cool oder uncool, Polizeiautos anstecken als Teil einer Revolution oder die Frage, was man mit einer eben gekauften Avocado anstellt oder ob Sägespäne vegan sind, all das sind Fragestellungen einer ersten Welt, die mittels Beantwortung meist nicht gelöst werden können (Avocados und Sägemehl mal ausgenommen), aber unter Androhung brachialer Gewalt in kilometerlangen Threads als Säue durch sämtliche globalen Dörfer gejagt werden müssen. Impfgegner versus Omnivore versus Mainstreammedien. These, Antithese, Beweislink, Quellenkritik, These…

Nahezu dankbar war ich deshalb der Sugarmountain Maf, dass sie mir dieses Irrenhaus zumindest für eine Weile mittels Accountblockade vorenthalten haben. „Klarnamenpflicht“ heisst das neue Ungetüm, mit dem man Facebook – Nutzer authentifiziert und somit juristisch angreifbar macht. Ein Mekka für Abmahnanwälte mit schlechtem Juraabschluss und fauler Personaler, aber auch für die Behörden, Stalker und sonstigem Bodensatz, den eine Gesellschaft wie unsere zwangsläufig hervorbringt. Aber nein, der Neuntausender bleibt der Neuntausender, wäre ja noch schöner, ich glaub‘ wohl, es hackt, während der Hamster bohnert. Aber schön war es schon, wenn man angerufen werden muss, und einem die Leute nicht ihrem Müll per Messenger vor die Füße kotzen und sich hinterher noch beschweren, dass man die Nachricht zwar gelesen, aber noch nicht beantwortet hat. Warum wollten wir noch gleich „Soziale Netzwerke“? Das beste soziale Netzwerk ist eine Kneipe ab 21 Uhr in Sachsenhausen oder auch in Bornheim, wenn man das mal realistisch betrachtet. Wir sollen auch mal wieder dazu übergehen, Veranstaltungen nicht am Facebook – Event zu bewerten, sondern an der inhaltlichen Qualität. Just saying!

Am Mittwoch war auch so ein Abend, „Raus, Frau Laus!“ rief mir das Pelztier zu, ich weiß ja auch nicht, wie der immer auf so einen Mist kommt, aber nun gut, als begab ich mich, facebookbefreit, nach draussen. Bäume, Himmel, Menschen, ne!
Zu allervorderst ging es in die Ausstellungshalle 1a, verortet in der Schulstraße 1a, denn dort gab man die Vernissage „Recoding Photography von Johannes Franzen“, und Vernissagen sind ja auch immer ein Freigetränkemekka, wobei die üblichen Kelchglasschwenker mir nicht aufgefallen sind, aber wahrscheinlich gab es andererorts auch etwas zum Abstauben. Die großformatigen Bilder waren im Prinzip Hardcopies von Fotografien, zerlegt in kleine, qudratische Pixel im gleichen Farbspektrum, was einem erst nach intensiverer Betrachtung auffiel und bei großen Formaten eine besonders interessante Wirkung erzielt. Zu betrachten sind die Kunstwerke noch bis zum 19. April, Finnissage, Kelchgetränke, etc.

Ein paar Schritte weiter hiess es im DreikönigskellerGlosanostra´s Cantina presents: Siegfried Kärcher live“, und den Termin hatte ich mir besonders deutlich hinter die Ohren geschrieben, tritt doch Herr Kärcher Synthesizern, modifizierten Geräten und selbstgebautem Equipment auf, um damit einen facettenreichen Ambientteppich zu knüpfen, den er an diesem Abend noch von einer Sängerin kuschelig untermalen liess. (Namen vergessen, Speicherbereich versehntlich gelöscht.) Das war natürlich für mich, der auch mal gerne mit einem Lötkolben elektronische Klangerzeuger anpasst oder lauffähig macht, eine besonders interessante Geschichte, und nicht nur für mich, wie es schien, waren doch im Publikum auch einige Schrauber auszumachen, die sich ebenso wie ich auf den Abend gefreut hatten. Aussderm gab es für das hungernde Publikum Buritos und Kaltgetränke, und so wurde der Abend schön, musikalisch interessant und auch, wobei wir wieder beim Thema Networking sind, von den Leuten, die man so kennenlernen konnte, durchaus lobenswert. Irgendwann nach Mitternacht schlenderte ich dann nach hause, im Hinterkopf noch die Idee, einen russischen Drumsynthesizer mit Triggereingängen zu versehen, aber dazu vielleicht irgendwann einmal an anderer Stelle mehr. Ohne den Ereignissen vorgreifen zu wollen, aber am kommenden Donnerstag, 16. April 2015, ruft das „Electronic BeatBattle Frankfurt Musikmessen-Edition 2015“ ins Orange Peel, wie immer traditionell zur Musikmesse veranstaltet von Jürgen Klumpe. Es werden Musiker im Wettstreit gegeneinander antreten, bewaffnet mit einer Groovebox oder einem Drumcomputer oder Ähnlichem, um im 10-miütigen Zeitrahmen die Zuhörer von den Qualitäten ihrer Kiste zu überzeugen. So ganz Bierernst wird das natürlich nicht abgehen. Ich werde mit einem Korg Monotribe antreten, welcher mit einem zweiten Oszillator und regelbaren Decay bei der Snaredrum sowie der Bassdrum ausgestattet, auf jeden Fall schon mal Spaß macht. Mal schauen, was die anderen so mitbringen. Achso, hier das übliche Facebook – Geraffel:

https://www.facebook.com/events/904365096272382/

Geht raus, die Nacht ist schön

//Patrick Neuntausend