Archiv für Oktober 2011

Wochenend Rückblick 39 / 40 / 41

Cia Torun
Cia Torun im Salon Babylon zu Frankfurt: Gerockt und einigen den Kopf gewaschen! Und nebenher noch geraucht und gesoffen!

Einmal kurz nicht aufgepasst, und schon sind wieder zwei Wochenenden vorbei.

Am Wiedervereinigungswochenende (das durch den Main getrennte Frankfurt wurd‘ wieder eins…) habe ich freitags erst einmal dem örtlichen Kino einen Besuch abgestattet, denn Aki Kaurismäki hat mit Le Havre einen sehr sehenswerten Film abgeliefert, eine runde Sache mit gewohnt kargen Dialogen und weiterhin gewohnter Fiveties – Optik. Vorhin habe ich gelesen, der gute Mann betreibt ja auch eine Bar, was mir naheliegend erscheint und somit eine Reise nach Finnland rechtfertigen würde.
Nach dem Kino bin ich rübergemacht, nicht über die Mauer nach Offenbach, sondern über den Main, in die Alte Liebe, aber ich weiß nicht mehr genau, was war, ist schon zu lange her. Mexikana – Trinken am End!

Den Samstag abend verbrachte ich auch dem Yachtklub - Boot bei Tropic Rhonda mit: Phuong-Dan (Golden Pudel Club/HH) und Philip Berg (Tropic Rhonda), die beiden haben kenntnisreich den Spagat zwischen Rare Grooves, Early Techno und New Wave vollzogen und so blieb ich noch ein wenig dort. No Sir, nicht ganz, denn der Ponyhof feierte sein 2jähriges Bestehen, und so kombinierte man die Flagschiffe Fonky Donky!, Swingers Club und Tarantinoparty im halbstündigen Wechsel, eieiei, das war was los, ne. So tief sind selten die Jägermeister geflogen. Und ich trink den Kram ja so selten. Auch hier hatte ich viel Spass gehabt und blieb ich noch ein Weilchen…
Am Sonntag hatte ich die x wie raus - Sendung auf Radio X zu bestreiten, und diese Sendung hatte es in sich, denn der montägliche Feiertag machte den Sonntag zu so etwas wie einem Zweit-Samstag, und so hatte ich den lieben Hannibal / Creathief im Studio, der afterwards im Yachtklub die Platten schwingen sollte und die smarte Jacky von The Jackets, welche zusammen mit The Monsters, The Apetones and Lilly Harpoon im Ponyhof aufspielte. Wir hatten eine Menge Spaß in der Sendung, denn Jacky war guter Dinge und Hannibal ist ja auch immer für einen Scherz zu haben und sogar der ansonsten schweigsame Laiki Kostis (Moonshake) hat mal etwas ins Mikro geknurrt.

Dann bin ich mal zum Tanzhaus geradelt, denn auf dem Milchsack – Gelände gibt es einmal im Monat erstsonntäglich eine Kleinkunst- und Literatur -Veranstaltung namens Salon Babylon, so hat es mir Fabian vom Yachtklub gesteckt. Das ich das nicht auf dem Schirm gehabt hatte! Ausserdem, so ergab es sich kurzfristig, sollte die umtriebige frankfurter Schriftstellerin / Schauspielerin / Regisseurin Cia Torun dort aus ihrem Roman Motoren der Unschuld, welcher sicherlich bald offiziell veröffentlicht wird, lesen, und das wollte ich auf keinen Fall verpassen. Genau, Kuratorin ist sie auch noch, hat sie doch die junge Frankfurter Künstlerin Julia Pol bei der Austellung ihrer teils großfomatigen Kunstwerke im Yachtklub tatkräftig unterstützt. Die Bilder können übrigens noch im besagten Yachtklub bewundert werden, und yes, wenn man sich vor Augen hält, dass die junge Dame gerade ihre ersten Schritte in die Kunstwelt unternimmt, dann bin ich mal verdammt gespannt, was da noch kommt. In 10 Jahren werde ich sie wahrscheinlich auf der Dokumenta besuchen, wo sie für sechsstellige Beträge ihre Werke losschlagen wird und behaupten: „Ach, Julia, die kenne ich schon seit Jaaaahren…“. Aber ich schweife ab. Von der Veranstaltung blieb mir natürlich besonders die Lesung von Cia im Gedächtnis, aber wahrscheinlich der einen oder andern Spiessertante (vermutlich aus dem Taunus) im Hals stecken. Was ja nicht schlecht ist, ich bin ja sowieso kein Fan von diesem Weichspülerblümchenmädchenkuschelmist, aber man muss schon sagen, dass Frau Torun Texte schreibt, die mit einer unerwarteter Schlagkraft daherkommen, direkt aber doch wieder komplex. Wir fanden das sehr gut und zur Verdeutlichung hab‘ ich mal was geklaut:

„Motoren der Unschuld fahren Frankfurter Körperfläche ab. Dieser dumpfe Klang wenn ein Versprechen in der Entfernung kippt, sein durchtrainierter Torso in einsamer Geste im Aldi Nord, trainierte Männerhände greifen nach Pasta in unguter Empf…indung. Alle anderen Söhne ohne Namen, jene die Buchmacher in Deutschland mit roten Zahlen beglücken, jene die pflegen in Verlegenheit zu ficken, sich im zerebralsten Sex entschuldigen da sie zu früh spritzen, öffnen ihr Sichtfeld an der Teifkühltheke im Aldi Nord nach traurigen Huren. „

Nach der Veranstaltung war ich nochmal bei Hannibal im Yachtklub, und, war ja klar, die Speerspitze des Salon Babylon zog nach, und so wurde es eine interessante Nacht, dort auf dem Wasser.

Da ja am Montag besagter DDR – Feiertag gewesen ist, beschloss ich kurzerhand, am Flohmarkt auf dem Milchsackgelände (TanzhausWest) mit einem kleinen Stand mitzumachen, wo ich doch schon am Vorabend beim Salon Babylon gewesen bin. Verbrecher, Tatort und so weiter…
Das Feine dort ist ja der unkomplizierte Charakter des Flohmarktes, es geht nicht in erster Linie ums Verkaufen, sondern um den Spass an der Sache, man trifft sich, erzählt dummes Zeug und ab und zu verkauft man irgendetwas, ausserdem werden professionelle Ramsch-Händler fein ferngehalten, und so ist man unter sich, und darf manchmal darüber staunen, wie manche Leute denn so im Hellen aussehen. Wobei laut intoniertes Staunen eine Unart darstellt, die man gerne dem Abraum überlassen darf.

Weil ich ja so gern ins Kino gehe, war ich auch gleich donnerstags mal in dem neuen LvTrier Film Melancholia, ich will an der Stelle nicht zuviel verraten, aber da hat er einen grandiosen Film gebastelt, der Herr vT, tolle Bilder, nicht zu viele Dialoge und fein gespielt. Ich würde sagen, diesen Film solltet ihr euch nicht entgehen lassen, und ja, auf jeden Fall im Kino schauen und nicht auf einem MikriMiniTV, denn das würde den Bildern nicht gerecht werden. Auch in Punkto Verstörtheit hat sich der Herr ein wenig zurückgehalten, was der ganzen Sache sicherlich nicht geschadet hat.

Am letzten Freitag hab ich mich erst einmal um meine kulturellen Bedürfnisse gekümmert und habe, auch für unsere neue Radio X – Sendung bühnenreif!,, die Premiere des Sébastien Jacobi - Stückes Reise!Reiser! in der Box (Schauspiel Frankfurt) besucht. Einen Bericht darüber gab es übrigens auch bei 3Sat in Kulturzeit am 10.10.2011 (Mediathek stöbern, siehe Link unten), und alle Aufführungen, Stand 11.10.2011, bis auf diejenige am 27.11.2011, sind komplett ausverkauft. Und das zu Recht! Jacobi kombiniert gekonnt komplette Auszüge des Buches „Anton Reiser“ von Karl Philipp Moritz (Extra vorher gelesen!), mit live intonierten Ton Steine Scherben- und Rio Reiser – Stücken, aber auch mit Zitaten des Philosophen Byung Chul Han oder mit weiterer, kritischen Betrachtung der modernen Leistungsgesellschaft, um aufzuzeigen, dass sich die westliche Gesellschaft in einem Hamsterrad dreht, dem Zwang unterworfen, produktiv zu sein, ohne ein Produkt herzustellen und dass trotzdem „Arbeit“, oder besser „Arbeit haben“ um jeden Preis zur Anerkennung des gesellschaftlichen Status als unbedingtes Erfordernis gesehen wird.
Dananch war mir so kellerkindmäßig zumute und ich besuchte den Kaiser (Kaiser L), denn der Gute gab im Dreikönigekeller einmal wieder mehr Jumpin‘… Jivin‘… Butt-Shakin‘ Rockin‘ Rhythm & Blues, und dort liess ich mir die ersten Kaltgetränke des Abends schmecken, und dann habe ich mich, was ich selten tue, im Clubkeller wieder gefunden, wohl, weil ich gerade so kellermäßig drauf war und natürlich läuft mir dann da auch noch so ein charmantes Österreicherimitat über den Weg. Ich muß ganz ehrlich sagen, ich habe gar nichts von der Musik mitbekommen, denn es wollten diese berühmten Clubkeller – Raucherraum – Dialoge geführt werden, nicht nur episch breit und inhaltlich sicherlich interessant, mit mir bis dato Unbekannten. Und das hat man in dieser unnachahmlichen Qualität eben nur nachts um 3 im Clubkeller.

Am Samstag war fleissiger ich x-qm - Besucher, denn der Kaiser (der mit dem „L“, siehe oben) swingte sich mit 2 Grammophonen durch die B-Ebene am Eschenheimer Turm. Aber ich wollte nur mal kurz vorbeischauen, denn das Wetter wurde mistig und ich wollte ja ausserdem noch ein kleines 2t-Frühstück auf dem Konstimarkt einnehmen, musste ich mich doch schonmal für den Abend stärken, denn wir waren als Dynamic Super Soul im Ponyhof gebucht, um dort auf der Funk Alarm – Party die beiden Funk-´Bands Do the Daktari und Safarisounds musikalisch zu unterstützen. Und was soll ich sagen? Beide Bands waren klasse, während Do the Daktari eher ein wenig im Afro-Funk – Bereich anzusiedeln sind, spielen Safarisounds eher Seventies-lastigen Funk, beide Varianten derbst tanzbar, und bei nahezu ausverkauften Ponyhof hatten wir alle eine ganz, ganz fette Party --- Danke dafür!
Am Sonntag habe ich ausser der Radiosendung (x wie raus) nichts gemacht. Manchmal hat man sonntags auch einfach mal keine Lust. Aber ich hatte den lieben Daniel aka Cub in der Sendung gehabt, der an diesem Abend noch ein akustisches Konzert im Clubkeller (jaja, richtig gelesen, da gibt es sonntags wieder Konzerte) zum Besten gab, und er hatte zufällig seine grüne Fender-Gitarre dabei gehabt. Und so ergab es sich, dss der Gute vor seinem Konzert schon mal ein kleines Vorabkonzert bei Radio X gegeben hat, was uns allen sehr sehr gefallen hat.

//ptrk

Reise!Reiser! im Schauspiel

3Sat Kulturzeit, u.a. mit Bericht über Reise!Reiser!

Do the Daktari

Safarisounds

Melancholia Trailer